Hyundai Tucson und Kia Sportage: Siamesischen Zwillinge aus Korea

Hyundai Tucson und Kia Sportage: Siamesischen Zwillinge aus Korea

Sie sind Brüder und stammen von unterschiedlichen  Schwestern: Der Hyundai Tucson ist ein bequemes und gutmütig zu fahrender SUV, der Kia Sportage eher heißblütig und kurvengierig, wie ein nervöser Lipizzaner.

Hyundai Tucson. © spothits/Hyundai
Hyundai Tucson. © spothits/Hyundai
Hyundai Tucson. © spothits/Hyundai
Hyundai Tucson. © spothits/Hyundai
Hyundai Tucson. © spothits/Hyundai
Hyundai Tucson. © spothits/Hyundai
Hyundai Tucson. © spothits/Hyundai
Hyundai Tucson. © spothits/Hyundai
Kia Sportage. © spothits/Kia
Kia Sportage. © spothits/Kia
Kia Sportage. © spothits/Kia
Kia Sportage. © spothits/Kia
Kia Sportage. © spothits/Kia
Kia Sportage. © spothits/Kia
Kia Sportage. © spothits/Kia
Kia Sportage. © spothits/Kia

Es könnten siamesische Zwillinge sein, mit gleicher Plattform und unterschiedlichem Aufbau. Sie sind aber koreanische Zwillinge mit unterschiedlichem Temperament.

Solange ich den Tucson fuhr, mußte ich kurzfristig an die italienische Riviera und habe mich dabei richtig an diesen koreanischen SUV gewöhnt. Er fuhr sich auch auf langer Strecke äußerst ruhig, gab sich gelassen in den Kurven über die Alpen und durch die Genueser Berge. Man saß prima, nur die leicht versetzte Sitzposition hinterm Lenkrad führte nach ein paar Stunden Fahrt zu Nackenverspannungen, die mit der Mittelmeerwärme jedoch schnell wieder weg waren.

Mit dem Sportage war ich dagegen im Hunsrück unterwegs, in der Eifel und bis zum Niederrhein. Selbst dort gibt es noch Kurven, die dem Sportage liegen, in der Eifel sowieso und am Niederrhein sogar noch Steigungen, wie man sie im Voralpengebiet ebenso findet. Gewiß, sie sind nicht sooo lang, dafür aber nicht weniger kurvenreich, wenngleich auch ohne Serpentinen. Und überall machte der Sportage, den ich als GT-Line-Version fuhr, den gleichbleibend forschen, teils sogar mutigen Eindruck, besonders, als es galt, den Hunsrück zu durchqueren. Geschaltet über das Doppelkupplungsgetriebe, auch per Schaltwippen am Lenkrad händisch möglich, machte der Sportage mächtig Spaß, vor allem in der Fahrweise, die seinem Namen entspricht.

Elegant & sportlich

Vergleicht man die Zwillinge aus Korea, wird deutlich, daß sie doch keine eineiigen sind. Beide sind chic designt, solide konstruiert und mit so manchem ausgestattet, was sonst in dieser Preisklasse teuer als Extra bezahlt werden muß. Der Tucson wirkt bodenständiger und trotzdem elegant zur Vorfahrt vor der Konzerthalle geeignet, der Sportage in seiner GT-Line frecher, deutlich sportlicher und windschnittiger. Obwohl beim cw-Wert wahrscheinlich keine allzugroßen Unterschiede zu messen sind. Beide SUVs sind Allroader und deutlich höher als konventionelle Limousinen, was bei größerem frontalen Fahrzeugumriß sicher die Windschlüpfrigkeit reduziert und den Verbrauch erhöht.

Unter den Hauben

Dem jedoch entgegnen die koreanischen Schwestergesellschaften mit erhöhtem konstruktivem Aufwand, vor allem was das Motormanagement anbetrifft. Dort nämlich realisieren sie bei beiden Modellen in deren  1,6-Liter-Motoren 177 PS und ein Drehmoment von 265 Nm bei 1.500 bis 4.500 U/Min. Das entspricht einer Literleistung von mehr als 100 PS, was bis in die 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts Sport- und Tourenwagen für den Renneinsatz vorbehalten war. Auch DOHC und variable Ventilsteuerung waren damals in Rennautos noch nicht gang und gäbe. Die kannten allerdings noch keine Euro-Klassifi­zie­rung; die 1,6-Liter-Motoren aus dem Hyundai/Kia-Konzern erfüllen jedoch klaglos Euro 6. Und immerhin schreiben beide Hersteller für die Betankung das 95 Oktan-haltige Superbenzin und nicht das hochoktanige, das weiland Agip für Ferrari einführte, als Michael Schumacher noch das aufbäumende Pferdchen bändigen wollte. Obwohl jenes gerade vor allem bei den Dienstwagenfahrern aller Klassen der beliebteste Treibstoff ist…

Lobenswerterweise war der Tucson mit einer Stopp-Start-Automatik ausgestattet, die beim Schaltgetriebe aber nur mit Auskuppeln und Gang raus funktioniert, bei automatischen Getrieben aber einfacher durch Bremsen bis zum Stillstand und dann nur noch mit einem kick am Gaspedal wieder anspringt. Leider war diese sinnvolle Einrichtung beim Kia mit dem Doppelkupplungsgetriebe nicht eingebaut; man kann sie sich aber dazu bestellen.

Fazit

War die Namensgebung des Vorgänger dieses Kia Sportage – oder schon dessen Vorvorgänger ? –  eigentlich ein bisschen übertrieben für diesen bedächtigen Zwillingsbruder des Hyundai Tucson, ist es heute fast umgekehrt. Fast, weil der Tucson sich herausgemacht hat, edel wirkt und elegant, nicht aber behäbig oder altmodisch. Heute sind beide Modelle vom Augenschein und der Ausstattung her eher gleichwertig; der Sportage ist nun namensverpflichtend vor allem in der GT-Line der sportlichere.

Allerdings legt auch Kia trotz Allradantrieb wohl weniger Wert auf die Geländetauglichkeit denn auf die anderen Spezifikationen eines SUV, auch wenn man mit diesem genauso wie mit dem Tucson schon mal Waldwege mit tieferem Boden als Asphalt durchpflügen kann. Dann müssen Tucson genau wie Sportage eben schnell mal durch die Waschanlage, bevor sie wieder stadtfeinüber den Boulevard rollen sollen. Bleibt letztlich also die Qual der Wahl abhängig vom Geldbeutel: Der Tucson kostet in seiner Topaustattung Premium als 1,6 Turbo AWD den Basispreis von 34.450, der Sportage liegt bei 34.190 Euro. Beide Fahrzeuge sind mit Zusatz-ausstattungen jedoch leicht über die 40.000 -Euro-Schwelle zu heben.

spothits/Heiner Klempp

Hyundai Tucson  1.6 Turbo 4WD

Länge/Breite/Höhe 4.475 mm/1.850 mm/1.645 mm
Radstand 2.670 mm
Leergewicht 1.609 kg
Zuladung 587 kg
Kofferraum 513 l – 1.503 l
Motor Vierzylinder-Reihenmotor
Hubraum 1.591 ccm
Leistung 130 kW/177 PS bei 5.500 U/min
max. Drehmoment 265 Nm bei 1.500 – 4.500 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h 9,5 Sekunden
Vmax 202 km/h
Verbrauch
EU-Normverbrauch im Mittel 7,6 l
Testverbrauch 8,9 l
Tankinhalt 62l
Abgasnorm Euro 6
CO2 Ausstoß 177 g/km
Preis der Basis-Ausführung 34.450 Euro

KIA Sportage 1.6 T-GDI AWD GT-Line

Länge/Breite/Höhe 4.480 mm/1.855 mm/1.635 mm
Radstand 2.670 mm
Leergewicht 1.534 kg
Zuladung 636 kg
Kofferraum 503 l – 1.492 l
Motor  Vierzylinder-Reihenmotor
Hubraum 1.591 ccm
Leistung 130 kW/177 PS bei 5.500 U/min
max. Drehmoment 265 Nm bei 1.500 – 4.500 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h 9,1 Sekunden
Vmax 201 km/h
Verbrauch
EU-Normverbrauch im Mittel 7,5 l
Testverbrauch 8,6 l
Tankinhalt 62 l
Abgasnorm Euro 6
CO2 Ausstoß 177 g/km
Preise
Basis-Ausführung 34.190 Euro
Sportage GT-Line mit Sonderausstattung und DCT-Automatikgetriebe 40.070 Euro

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