Paris 2016: VW-Chef Müller baut sein neues Volkswagen

Paris 2016: VW-Chef Müller baut sein neues Volkswagen. © spothits/Peter Schwerdtmann
Paris 2016: VW-Chef Müller baut sein neues Volkswagen. © spothits/Peter Schwerdtmann

Paris 2016: VW-Chef Müller baut sein neues Volkswagen

Seit der Volkwagen Group Media Night am Vorabend des heutigen Pressetags auf dem Pariser Automobilsalon weiß die Autowelt wieder einiges mehr über die Strategie des Konzerns. Vorstandsvorsitzender Matthias Müller nutzt die Gelegenheit, um seinem Zukunftsprogramm „Together Strategy 2025“ schärfere Konturen zu verschaffen.

Paris 2016: VW-Chef Müller baut sein neues Volkswagen. © spothits/Peter Schwerdtmann
Paris 2016: VW-Chef Müller baut sein neues Volkswagen. © spothits/Peter Schwerdtmann

Die Strategie des Konzerns

Zu den Absichtserklärungen der Vergangenheit kommen nun die ersten konkreten Schritte. Davon zeigt einer am deutlichsten, wohin die Reise für den Konzern gehen soll: Volkswagen bekommt eine neue Marke, die die neuen Geschäftsfelder rund um Mobilitätsdienste bedienen soll.

Die Gesellschaft ist gegründet, das Management-Team steht, die Büros in Berlin werden in den nächsten Tagen bezogen, berichtet Müller, nur „die Entscheidung über den Namen steht noch aus. Die Vermittlung mit Fahrdiensten mit dem Anbieter Gett, eigene Shuttleangebote und neue Sharing-Konzepte für die urbane Mobilität will Müller von der neuen Gesellschaft sehen und kann sich „perspektivisch auch eigene selbst fahrende Taxiflotte in Städten“ vorstellen. Das Ziel benennt er an diesem Abend ebenfalls: „Künftig wird längst nicht mehr jeder ein eigenen Auto besitzen. Aber jeder kann auf die eine oder andere Weise Kunde von Volkswagen sein.“

Wie das aussehen soll, will der Konzern bis November für alle Marken und Regionen bis ins Detail in seiner Strategie 2025 festgeschrieben haben. Dann will Matthias Müller sehr konkret werden. Jetzt beschränkt er sich noch darauf, sichtbare Schritte zum neuen Konzern aufzuzählen:

Bei den Nutzfahrzeugen hatte schon die gerade zu Ende gegangene Nutzfahrzeug-IAA in Hannover gezeigt, wo es langgeht. Die Beteiligung am US-Hersteller Navistar soll ein weiterer Schritt hin zum “global Champion“ bei den Nutzfahrzeugen darstellen. Die für alle Marken und System offene, cloudbasierte Logistik-Betriebssystem ebenfalls.

Audi hat kürzlich die Partnerschaft mit den chinesischen Internetriesen Baidu, Alibaba und Tencent geschlossen.

In Moskau will das Unternehmen mit Gett, der App für Fahrtenvermittlung, spezielle Fahrzeugpakete entwickeln und erproben. Mit Hamburg hat VW eine strategische Partnerschaft geschlossen für die Erprobung von Sharing-Konzepten, Elektro-Bussen, den vernetzten Gütertransport und eine intelligente Infrastruktur für die Stadt der Zukunft zu erproben.

In China laufen Gespräche mit dem Hersteller JAC über ein Gemeinschaftsunternehmen, das preiswerte Elektroautos entwickeln und produzieren soll.

Beim Auslaufen der Strategie 2015 wird der Konzern mehr als 30 neue, zusätzliche Elektrofahrzeuge anbieten, Autos, wie das Concept Car I.D., das in Paris präsentiert wird. Es soll über 600 Kilometer Reichweite verfügen und basiert auf einer speziellen Elektroauto-Plattform. In den nächsten beiden Jahren sollen 17 neue Plug-in-Hybride der Konzernmarken den Weg für die Elektromobilität weiter ebnen. Auch Matthias Müller hat keine Zweifel: „Die Zukunft fährt elektrisch.“

Den klassischen Verbrennungsmotoren prophezeit er dennoch noch ein langes Leben. Mehr als zwei Jahrzehnte lang werden sie noch die Szene beherrschen, auch bei Volkswagen. Natürlich spricht Müller die Dieselproblematik aus dem eigenen Haus auch in Paris an, bleibt dabei aber auf der Ebene der Zusagen: „Wir arbeiten mit allem, was uns zur Verfügung steht daran, die Krise auf- und abzuarbeiten.“

Der VW-Chef nennt es einen Beweis für die Stärke des Konzerns, dass er über seinem „Diesel-Thema“ die Zukunftsthemen ebenfalls mit Kraft anpacken kann. „In den vergangenen zwölf Monaten habe ich unendlich viel Einsatz, Kompetenz und Aufbrauchstimmung erlebt“, sagt er und spielt mit dem zur Zeit berühmtesten Kanzlerinnen-Wort: „Für mich lautet die Frage daher nicht: Schafft Volkswagen das, sondern vielmehr Wie schafft Volkswagen das?“

sph/ampnet/Sm

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