Test Jaguar XE: Hier geht es um wahre Größe

Jaguar XE. Foto: spothits/ampnet/Jaguar
Jaguar XE. Foto: spothits/ampnet/Jaguar

Herr Tur Tur, der Scheinriese der Augsburger Puppenkiste, hätte seine Freude am Jaguar XE. Aus etwas größerer Entfernung sieht auch die jüngste Limousine der Sportwagenmarke aus wie ein ausgewachsenes Exemplar à la XF-Mittelklasse. Alles an ihm ist ganz Jaguar. Mit zunehmender Nähe schrumpft der XE allerdings knapp unter das Format eines 3er-BMW oder einer Alfa Romeo Giulia und zeigt damit seinen Auftrag: wildern unter den kompakten Sportlichen.

Schon die Karosserieform lässt keinen Zweifel an den Ambitionen der ersten kompakten Jaguar-Limousine der neuen Zeitrechnung. Chefdesigner Ian Callum und sein Team haben eine Menge vom XF und vom Supersportler F-Type mit hineingemischt: die breite Brust, die lange Motorhaube und den Powerdome, die lange Schnauze und das weit hinten sitzende Greenhouse auf breiten Schultern. Auch das typische Jaguar-Maul mit dem konzentrierten, fast aggressiven Blick der flachen Scheinwerfer passt ins Bild.

Die Freunde der Kombination von sportlicher und luxuriöser Optik kommen beim XE auf ihre Kosten, wenn sie sich erst einmal in das Etui zwischen Außerwand und breitem Mitteltunnel eingefädelt habe. Im XE verwachsen Fahrer und sein Co mit dem Auto. Dabei kommt das Gefühl von Enge gar nicht erst auf, weil alles so anliegt wie eine Rennkombi anliegen sollte. Die Sitze sind bequem und geben gleichzeitig guten Seitenhalt. Das kleine dicke Multifunktionslenkrad gehört in diesen Innenraum wie – inzwischen in jeden Jaguar – das Drehrad für die Gangwahl der Automatik auf der Mittelkonsole.

Auf der Rücksitzbank hätte Herr Tur Tur bessere Karten als der norddeutsche Sitzriese, der diesen Text verfasst. Tur Tur würde genug Kopf- und Kniefreiheit vorfinden, der Nicht-Schein-Riese sieht sich hinten auch mit der kleinen Türöffnung vor Problemen, den XE als einen bequemen Reisewagen für die große Strecke zu beschreiben. Hier stehen mal wieder die Menschen in der ersten Reihe im Vordergrund. Hauptsache, die haben Spaß.

Dafür ist der XE bei den Assistenzsystemen vorn dabei. Bei Jaguar hat man jetzt zum üblichen Kanon noch zwei Strophen hinzugefügt: ein aufpreispflichtiges Laser-Head-up-Display und die „All Surface Progress Control“ für alle Automatikfahrzeuge. Das System baut zum Beispiel auf einer schneeglatten Fahrbahn bis zu Tempo 30 ohne Zutun des Fahrers die passende Traktion auf. Doch mit dem Allradantrieb hatte das System selbst bei widrigsten winterlichen Wetterbedingungen in unseres Fall wenig zu tun.

Bemerkenswert sind ebenfalls die Stereokamera für die 3-D-Darstellung des Bereichs vor dem Auto und die aktive Motorhaube zum Fußgängerschutz. Bei Infotainment, Konnektivität und Serviceangeboten übers Netz setzt der XE Zeichen, natürlich für iOS-Freunde ebenso wie für die von Android. Hier bietet Jaguar auf der Basis von Bosch-Technologie eine ganze Reihe von Möglichkeiten an. Was das Smartphone kann, kann nun auch der XE und noch ein bisschen mehr.

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