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- Warum Aumovio umstrukturiert
- Finanzlage und Wachstumsperspektiven
- Standortpolitik: Verkäufe, Schließungen, Regionalisierung
- Forschung, tausende Stellenabbau und Effizienz
- Halbleiterstrategie und Lieferkettenresilienz
- Wettbewerb aus China und die Position gegenüber OEMs
- Talentmobilität und Kooperationen mit der Rüstungsbranche
- Künstliche Intelligenz als Hebel
- Zur Person
Seit dem Spin-off von Continental und dem Börsengang vor rund einem Jahr steht Aumovio unter hohem Druck: Schwache Absatzmärkte, steigende Kosten und intensiver Wettbewerb — insbesondere aus China — zwingen den Zulieferer zu tiefgreifenden Einschnitten. Konzernchef Philipp von Hirschheydt spricht im Interview über die strategische Neuausrichtung, den Abbau von F&E-Stellen und die Folgen der Regionalisierung für Produktion und Lieferketten.
Warum Aumovio umstrukturiert
Die Unabhängigkeit von Continental hat dem Unternehmen mehr Entscheidungsfreiheit gebracht, erklärt der CEO. Zugleich bedeute Eigenständigkeit aber auch, dass Aumovio direkter den Marktmechanismen ausgesetzt sei und täglich seine Wettbewerbsfähigkeit nachweisen müsse.
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Angesichts einer insgesamt schwächeren Nachfrage, erhöhter geopolitischer Risiken und verstärktem Konkurrenzdruck reagiert der Konzern mit einem Bündel aus Kostensenkungen, Effizienzprogrammen und einer stärkeren Fokussierung auf margenstarke Produkte.
Finanzlage und Wachstumsperspektiven
Von Hirschheydt betont, das Management setze nicht allein auf Volumen. Wachstum solle über einen höheren technologischen Anteil pro Fahrzeug und über neue Kunden in wachstumsstarken Regionen erzielt werden.
Nach dem ersten Jahresabschluss als eigenständiges Unternehmen habe Aumovio alle gesetzten finanziellen Ziele erreicht. Der Auftragseingang sei im Vergleich zu 2024 sogar gestiegen, sagt der CEO — zugleich rechnet das Unternehmen jedoch mit weiter fallenden Umsätzen und Druck auf die Margen.
Standortpolitik: Verkäufe, Schließungen, Regionalisierung
Als Teil der Konsolidierung veräußert Aumovio Werke oder schließt sie, wenn sie langfristig nicht konkurrenzfähig sind. Ein aktuelles Beispiel ist der Verkauf des Standorts Rheinböllen in Rheinland-Pfalz an RHB-Industries; rund 320 Beschäftigte sollen zum Käufer übergehen.

Zugleich verfolgt der Konzern eine „local-for-local“-Strategie: In Nordamerika wurde zuletzt in das Werk in New Braunfels investiert, und in China arbeitet Aumovio mit eigenständigem Management vor Ort, um schneller Entscheidungen treffen zu können. Ziel ist, Nähe zu Kunden zu schaffen, Risiken zu mindern und die Lieferfähigkeit zu verbessern.
Forschung, tausende Stellenabbau und Effizienz
Aumovio hat angekündigt, in Forschung und Entwicklung mehrere tausend Stellen abzubauen. Der Stellenabbau steht nicht im Widerspruch zu Innovationsabsicht, betont der CEO: Man optimiere die Ausrichtung der F&E auf strategische Prioritäten und strebe höhere Effizienz im Ressourceneinsatz an.
Das Unternehmen setzt stärker auf Kollaborationen mit Partnern und Start-ups sowie auf neue Technologien, um Entwicklungszyklen zu beschleunigen und die Komplexität zu reduzieren. Künstliche Intelligenz spielt dabei eine wichtige Rolle, sowohl für Produktentwicklung als auch für Fertigung und administrative Prozesse.
Halbleiterstrategie und Lieferkettenresilienz
Die jüngste Halbleiterkrise hat die Abhängigkeiten in der Branche verdeutlicht. Aumovio baut deshalb eine eigene Einheit für Halbleiterlösungen auf und nennt GlobalFoundries als Partner für die Fertigung. Außerdem setzt das Unternehmen auf Multi-Sourcing und langfristige Zulieferverträge.

Solche Maßnahmen sollen die Flexibilität erhöhen und die Handlungsfähigkeit in Krisenzeiten sichern, bleiben aber kein Allheilmittel gegen externe Schocks, so der Konzern.
Wettbewerb aus China und die Position gegenüber OEMs
Der CEO räumt ein, dass der Wettbewerb mit chinesischen Zulieferern massiv ist. Aumovio sehe seine Stärken in Systemkompetenz, Qualitätsstandards und Innovationskraft, will aber zugleich Kostenstrukturen beschleunigt anpassen und lokal produzieren, wo nötig. Etwa 60 Prozent des Auftragseingangs in China entfielen im vergangenen Jahr auf chinesische Hersteller, so die Angabe des Managements.
Gleichzeitig lastet ein hoher Preisdruck von OEMs auf der Lieferkette. Aumovio wolle bis an die Grenzen der Effizienz gehen und über nicht beeinflussbare Kosten mit Kunden Kompensationslösungen verhandeln, heißt es aus der Firmenführung.
Talentmobilität und Kooperationen mit der Rüstungsbranche
In Folge des Stellenabbaus ziehen Fachkräfte vermehrt in andere Branchen — unter anderem zur Rüstungselektronik. Aumovio nennt die Zusammenarbeit mit dem Rüstungsspezialisten Hensoldt, über die rund 600 betroffene Ingenieure neue Perspektiven erhalten sollen.
Von Hirschheydt sieht eine branchenübergreifende Mobilität der Talente in Transformationsphasen als normal, macht aber deutlich, dass Aumovio bestrebt ist, als attraktiver Arbeitgeber mit relevanten Tätigkeiten und langfristigen Perspektiven zu bestehen.
Künstliche Intelligenz als Hebel
KI werde bei Aumovio bereits eingesetzt — in der Entwicklung, im Test und in der Produktion, um Qualität zu verbessern und Abläufe zu beschleunigen. Die Firma hat dafür bereits Auszeichnungen erhalten und unterstützt Kunden zudem beim Einbau KI-basierter Funktionen in Fahrzeuge.
Für das Management ist klar: KI soll helfen, mit weniger Personalaufwand höhere Wirkungen zu erzielen und Innovationsprojekte besser zu skalieren.
Zur Person
Philipp von Hirschheydt ist seit September 2025 CEO von Aumovio. Geboren 1974 in Hann. Münden, studierte er Natur- und Wirtschaftswissenschaften in Göttingen sowie European Business in Oxford. Nach Stationen bei der WestLB wechselte er 2007 zu Continental, übernahm dort mehrere Führungsaufgaben und wurde 2023 in den Continental-Vorstand berufen. Mit dem Spin-off führte er Aumovio 2025 an die Börse.












