Experten aus Großbritannien fordern Tempobegrenzer ohne Abschaltfunktion

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Bei einer Anhörung vor dem britischen Parlament haben Verkehrssicherheitsexperten umfassende technische Maßnahmen vorgeschlagen, um Unfälle zu reduzieren. Im Zentrum steht die Forderung nach verpflichtender, nicht abschaltbarer Intelligent Speed Assistance (ISA) in neuen Pkw – ein Vorschlag, der Debatten über Umsetzbarkeit und Auswirkungen auslöste.

Nicht abschaltbares ISA als Kernforderung

Mehrere Sachverständige plädierten dafür, dass Fahrzeuge künftig technisch daran gehindert werden sollen, erlaubte Höchstgeschwindigkeiten zu überschreiten. Das vorgeschlagene System würde Tempolimits erkennen und ein Überschreiten automatisch verhindern.

Technische Illustration eines Fahrassistenzsystems zur Geschwindigkeitskontrolle
ISA-Systeme erkennen Tempolimits und verhindern Überschreitungen automatisch.

Die Experten argumentierten, die bislang in Europa verpflichtete ISA-Variante gehe nicht weit genug. Kritisiert wurde vor allem, dass sie sich deaktivieren lasse und Verkehrszeichen nicht immer zuverlässig identifiziere.

Als Hinweis auf die technische Machbarkeit nannten die Sachverständigen Praxisbeispiele: Rund ein Drittel der 9.000 Linienbusse in London sei bereits mit einem nicht übersteuerbaren Tempobegrenzer ausgestattet.

Datenqualität, Unfallanalyse und Durchsetzung

Vor einer flächendeckenden Einführung müsse jedoch die Qualität digitaler Tempodaten verbessert werden, mahnten mehrere Gutachter. Unklare oder falsch interpretierte Geschwindigkeitsinformationen könnten die Akzeptanz entsprechender Systeme untergraben.

Zusätzlich forderten die Experten einen leichteren Zugang zu relevanten Fahrzeugdaten nach schweren Unfällen, um Ursachen genauer zu klären. Auch eine konsequentere Ahndung selbst geringer Tempoüberschreitungen stand auf der Liste der empfohlenen Maßnahmen.

  • Verpflichtende, nicht abschaltbare ISA in Neufahrzeugen
  • Verbesserte digitale Geschwindigkeitskarten und Signaldaten
  • Besserer Zugriff auf Fahrzeugdaten nach Unfällen
  • Strengere Sanktionen bei Tempoverstößen
  • Tempo 20 mph (32 km/h) als Regelgeschwindigkeit in Wohngebieten

Mehrfach verwiesen die Sachverständigen auf Erfahrungen aus London und Edinburgh: Dort habe eine Regelgeschwindigkeit von 20 mph in Wohngebieten zu einem Rückgang schwerer Unfälle geführt.

Bedenken aus der Motorradbranche

Motorräder und Motorroller kamen in der Anhörung kaum vor. Kurz nach der Sitzung warnte die britische Branchenvertretung Motorcycle Industry Association davor, Assistenzsysteme, die für Pkw entwickelt wurden, ungeprüft auf motorisierte Zweiräder zu übertragen.

Motorradfahrer auf der Straße in Fahrt
Die Motorradbranche warnt vor unkontrollierter Übertragung von Pkw-Systemen.

Grund dafür sei die andersartige Fahrdynamik von Motorrädern. Dem Verband zufolge seien daher spezifische Erprobungen und eine separate Typgenehmigung notwendig, bevor technische Lösungen übernommen werden könnten.

Weitere Verhandlungen angekündigt

Der Parlamentarische Verkehrsausschuss will die Beratungen fortsetzen: Weitere Sitzungen zu dem Thema sind für den Herbst geplant. Beobachter erwarten, dass Fragen der technischen Machbarkeit, der Datenqualität und der regulatorischen Rahmenbedingungen dort weiter vertieft werden.

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