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Fasse Dich kurz! Klingt banal, einfach und leicht umsetzbar. Ist es aber nicht. Im Gegenteil! Und das liegt weniger an der epischen Ader des Schreibers, als vielmehr am Wissen um die darzustellende Thematik. Mit jedem Wort entstehen neue Gedanken. Weglassen wäre Frevel gegenüber dem Leser, glaubt der Schreiber
Hintergrund ist wichtig
Natürlich sind Hintergründe wichtig. Nur wird dabei allzu oft einfach nur Zeitungs- und Magazinstil ins Onlinemedium übertragen. Das Einzige, was meterlange Texte in die Neuzeit katapultiert, sind Verlinkungen, wenn es ganz fortschrittlich zugeht, auch gerne eine Bildershow oder ein Film.
»Heroin« und »Todesbotin«
In den meisten Fällen muss der Leser mit klassischem Text vorlieb nehmen. Genau da sieht Emily Bell, Forscherin an der Columbia Journalism School in New York, das Problem. In einem von Cicero geführten Interview wird Bell zur »Heroin« des Internetzeitalters und im selben Atemzug zur »Todesbotin« heutiger Zeitungsmacher. Denn sie prophezeit das Ende vieler in der Branche. Heute könne jeder Bilder hochladen und Texte verbreiten. Eine Redaktion im klassischen Sinn brauche es dazu nicht, meint Bell (Cicero Interview).
Netzwerken bringt Reichweite
Möglich macht das die dezentrale Struktur des Internets. Jeder der Zugang hat, kann loslegen. Diese Chance wird genutzt, sehr zum Leitwesen etablierter Kanäle. Denn deren Informationsmonopol weicht damit immer mehr auf. Im Ergebnis sind die am reichweitenstärksten, die am besten netzwerken. Das ist im virtuellen Bereich nicht anders als im normalen Leben. Nur das es hier einfacher und schneller geht Kontakte zu knüpfen – eben per Klick.
Wie das effektiv funktioniert, zeigen erfolgreiche Blogger. Dabei ist bemerkenswert, dass sie ohne das Internet wohl kaum damit begonnen hätten, etwas Eigenes zu veröffentlichen. Und weil das Markenzeichen eines guten Blogs immer
ein möglichst spitzes, idealerweise authentisches Thema ist, sind sie erfolgreich, meint lousypennies.de.
Wer wahrgenommen wird, existiert
Nun gibt es Stimmen, die Bloggern den journalistischen Status niemals zuerkennen würden. Hier schafft Abgrenzung zwar (journalistische) Identität, garantiert aber noch lange keine Qualität. Denn ob jemand kompetent ist, hängt bei Weitem nicht nur von handwerklichen Fähigkeiten ab. Die natürlich vorausgesetzt, gewinnt heute zunehmend das Wissen um die zu befütternden Kanäle wie google, Facebook, Twitter und Co. an Bedeutung.
Da geht es als Erstes darum, online wahrgenommen zu werden. Selbst wenn es dabei nur um private Zwitscher-Attacken geht, deren Ursprung etwa in einer Schlagzeile liegt, die so geteilt wird. Denn nur wer über die neuen etablierten Kanäle wahrgenommen wird, existiert. Das ist Online nicht anders, als seit Langem im Printbereich.
Trend – Strategie – Zukunft
Dabei brechen dem Printbereich massiv Leser weg, die Zahlen sind rückläufig. Viele Verlage haben bereits geschlossen oder sind von Schließung betroffen. Erfolgreich gegengesteuert wurde vom Springer-Imperium (Handelsblatt). Hier konnten die Verluste im Printbereich durch den seit Jahren vorgenommenen digitalen Ausbau teilweise ausgeglichen werden. Dabei hat der Medienkonzern für sich ganz klar den Schwerpunktwechsel von Print zu Online vollzogen.
Was anfangs noch Trend, ist heute Strategie und verspricht Zukunft. Nur, ob sich eine Tageszeitung, die sich »eins-zu-eins« ins Internet verlagert, am Ende halten kann, ist fraglich.
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