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- Vom Technikchef zum Produktionsvorstand: anderer Fokus, vertraute Themen
- Entwicklung und Produktion enger verzahnen
- Integration von Vitesco: organisatorisch abgeschlossen, technisch noch in Arbeit
- Lieferketten: Diversifizierung bleibt Strategie, Grenzen bleiben
- Smart Factory, digitale Zwillinge und der Einstieg in Physical AI
- Humanoide Robotik: Anwender und Komponentenlieferant
- Auswirkungen auf den Industriestandort Deutschland
- Woran Schröder seine Handschrift messen lassen will
Seit April 2026 leitet Jochen Schröder bei Schaeffler das Ressort Produktion, Supply Chain und Einkauf. Sein Ziel: die weltweiten Werke effizienter vernetzen, neue Technologien wie Digitalisierung und Physical AI nutzen und damit die Wettbewerbsfähigkeit der Fertigung steigern.
Vom Technikchef zum Produktionsvorstand: anderer Fokus, vertraute Themen
Schröder bringt eine lange technische und entwicklungsnahe Laufbahn mit. Die neue Funktion hat ihm keine völlig neuen Einsichten gebracht, wohl aber eine veränderte Prioritätensetzung: Effizienz in den Werken steht jetzt noch stärker im Vordergrund.
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Mit mehr als hundert Standorten weltweit setzt Schaeffler nach seiner Darstellung vor allem auf intensivere Vernetzung der Werke, den schnelleren Austausch von Best Practices und die raschere Übertragung regionaler Lösungen in das globale Produktionsnetz. Zentral bleibt laut Schröder der Faktor Mensch: Qualifizierung und Erfahrungswissen der Mitarbeitenden sind Voraussetzung dafür, neue Technologien sicher und wirtschaftlich einzuführen.
Entwicklung und Produktion enger verzahnen
Schröder betont, dass die Zusammenarbeit von Entwicklung und Fertigung bei Schaeffler bereits traditionell eng ist, künftig aber systematischer gestaltet werden soll. Ziel sei es, Entwicklungsentscheidungen stärker auf Produktionsrealität auszurichten und umgekehrt Produktionsanforderungen früher in den Entwicklungsprozess einzubringen.

Praktisch heißt das: Produktfamilien, Technologiebaukästen und interne Standards so definieren, dass sich Fertigungsvarianten flexibel an unterschiedliche Prozesse anpassen lassen. Schröder nennt diesen Ansatz intern unter anderem mit den Begriffen „Innovation to Business“ und „Innovation to Factory“.
Integration von Vitesco: organisatorisch abgeschlossen, technisch noch in Arbeit
Der Zusammenschluss mit Vitesco läuft nach Schröders Einschätzung auf zwei Ebenen. Organisatorisch sei die Integration weitgehend vollzogen: Aus zwei traditionsreichen Technologiekonzernen sei ein gemeinsamer Konzern geworden, der kulturell gut harmoniert.
Die technische Seite — etwa das Zusammenführen von ERP-Systemen und Prozessen — dauere länger. Schaeffler verknüpft diese Arbeiten mit der Umstellung auf S/4HANA, die dem Vorstand zufolge bis Ende 2030 abgeschlossen sein soll. In Einkauf und Logistik habe man bereits Lösungen aus dem früheren Vitesco-Umfeld übernommen und Lieferantenbeziehungen zu strategischen Partnerschaften ausgebaut.
Lieferketten: Diversifizierung bleibt Strategie, Grenzen bleiben
Angesichts geopolitischer Unsicherheiten und Handelsschranken setzt Schaeffler weiterhin auf Diversifizierung, Multiple Sourcing und das Prinzip „Local for Local“. Diese Strategien seien keine neuen Ansätze, aber ihre Bedeutung habe zugenommen.
Gleichzeitig räumt Schröder ein, dass echte Regionalisierung dort an Grenzen stößt, wo Rohstoffe oder Halbleiter global stark konzentriert sind. Wo Alternativen bestehen und wirtschaftlich sind, werde Schaeffler jedoch regionale Netzwerke ausbauen, um die Resilienz der Lieferketten zu stärken.
Smart Factory, digitale Zwillinge und der Einstieg in Physical AI
Digitalisierung und Virtualisierung bilden laut Schröder die Basis für den Einsatz lernfähiger physischer Systeme. Er verweist auf messbare Erfolge in klassischen Digitalisierungsprojekten — etwa in der Nadelfertigung — die ohne Automatisierung und digitale Zwillinge heute womöglich nicht mehr konkurrenzfähig wären.

Physical AI und flexible Robotik eröffnen nach seiner Sicht neue Möglichkeiten: Sie machen Automatisierungsfälle wirtschaftlich, die mit starrer Automation nicht tragbar wären, weil Stückzahlen oder Programme schwanken. Voraussetzung dafür sei allerdings eine belastbare Datenbasis: echte Produktionsdaten, digitale Modelle und Zwillinge.
Schaeffler beginne bereits mit ersten Rollouts von Physical‑AI‑Systemen, testet neue Lösungen in Laboren und Trainingszentren und führt erprobte Systeme schrittweise in den Fabriken ein.
Humanoide Robotik: Anwender und Komponentenlieferant
Schaeffler sieht sich zugleich als Anwender und Zulieferer für humanoide Robotik. Das Unternehmen hat demnach umfangreiche Produktionsdaten und Simulationen sowie reale industrielle Anwendungsfälle, die Herstellern von Robotern beim Training und bei der Validierung helfen können.
Schröder betont jedoch, dass die Werke nicht einfach zum Versuchsfeld werden: Jedes System müsse in eigenen Laboren und Trainingszentren seine Fähigkeiten beweisen, bevor ein schrittweiser Einsatz in der Produktion erfolgt.
Auswirkungen auf den Industriestandort Deutschland
Automatisierung und physische KI bieten nach Schröders Einschätzung eine Chance, die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in Deutschland und Europa zu erhalten. Werden Produktion und Innovation vor Ort gehalten, entstünden zudem Möglichkeiten, neue Produkte am Standort zu entwickeln und zu industrialisieren.
Woran Schröder seine Handschrift messen lassen will
Er beschreibt das Bild eines künftigen Werks, das effizient und wirtschaftlich arbeitet, moderne Automatisierung gezielt einsetzt und durch gut qualifizierte Mitarbeitende getragen wird. Neue Technologien sollen demnach unterstützen und körperlich belastende Tätigkeiten reduzieren — ohne die industrielle Identität des Unternehmens aus den Augen zu verlieren.
- Effizienz: stärkere Vernetzung und Austausch von Best Practices
- Technologie: breitere Nutzung von Digital Twins und Physical AI
- Mitarbeitende: höhere Qualifizierung, sichere Einführung neuer Systeme












