Deutsche Autobranche verkennt Geschwindigkeit des Umbruchs

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Die deutsche Autoindustrie sieht zentrale Umbruchsignale, ist nach Ansicht der Beratung PwC aber noch nicht ausreichend für die anstehende Transformation gerüstet. Diese Einschätzung stammt aus dem erstmals veröffentlichten „Global Automotive Sector Outlook 2026“, für das 720 Führungskräfte aus 33 Ländern befragt wurden — 86 davon aus Deutschland.

Vier Handlungsfelder für „future‑fit“ Unternehmen

PwC nennt vier zentrale Bereiche, in denen Unternehmen sofort handeln sollten, um den Wandel zu meistern.

Team im Workshop vor Whiteboard mit Strategieplänen
Vier Handlungsfelder erfordern klare Zeitpläne, Verantwortlichkeiten und Kooperationen.

  • Verbrenner und Aftermarket als Startbahn verstehen: Erträge aus dem Bestandsgeschäft gezielt als Transformationskapital einsetzen — mit klaren Zeitplänen und Verantwortlichkeiten.
  • Altes und Neues getrennt steuern: Neue Geschäftsmodelle dürfen nicht ausschließlich an den Renditekennzahlen des traditionellen Geschäfts gemessen werden.
  • Workforce und Kultur vor dem Softwarebudget: Software- und KI-Kompetenzen müssen intern entwickelt werden, nicht nur eingekauft.
  • Partnerschaften als Beschleuniger: 75 Prozent der besonders zukunftsfähigen Unternehmen setzen gezielt auf Kooperationen — gegenüber 56 Prozent der übrigen Befragten.

Steuerungsmodelle stoßen an ihre Grenzen

Viele deutsche Manager bewerten ihre internen Entscheidungsprozesse positiv: 72 Prozent sagen, sie lenkten Kapital bevorzugt in besonders renditestarke Projekte, 73 Prozent beschreiben ihre Entscheidungswege als agil und datenbasiert.

PwC warnt jedoch, dass solche Kriterien neue, risikoreichere Geschäftsansätze frühzeitig aussondern könnten. Nur 57 Prozent der deutschen Teilnehmenden melden eine hohe Risikotoleranz — in der von PwC als besonders wandlungsfähig eingestuften Gruppe sind es 80 Prozent.

Politische Risiken stehen oben auf der Agenda

Gleichzeitig sehen Unternehmen wachsende externe Gefahren: 41 Prozent der deutschen Befragten zählen regulatorische Änderungen zu den drei größten Bedrohungen für ihr Geschäft. Zölle nennen 39 Prozent — ein Anteil, der weltweit bei 27 Prozent liegt.

Technologieoffenheit trifft auf Kompetenzlücken

Technologische Disruption wird in Deutschland überwiegend als Chance bewertet: 71 Prozent so die Studie. Entscheidend bleibt aber die Umsetzung.

Batterieelektrofahrzeug auf Montageband in Fabrik
Die Elektromobilität verändert Kostenstrukturen und Produktionsvolumen bis 2030.

Für 54 Prozent der deutschen Teilnehmenden ist KI die wichtigste Technologie zur Erreichung strategischer Ziele (global: 51 Prozent). Zudem stufen 85 Prozent in Deutschland Software‑Engineering und KI als sehr oder äußerst wichtig ein — das sind 16 Prozentpunkte über dem weltweiten Durchschnitt.

Trotz dieser Priorität haben außerhalb der Spitzengruppe nur 45 Prozent der Unternehmen bereits in größerem Umfang entsprechende Fähigkeiten aufgebaut. PwC betont, dass fehlende Talente (51 Prozent nennen dies als Hemmnis) allein nicht die ganze Erklärung sind: Weiterbildung innerhalb der Belegschaft und organisatorische Anpassungen sind erforderlich, damit kürzere Entwicklungszyklen und höhere Fehlertoleranz möglich werden.

Elektromobilität ändert die industrielle Kostenbasis

PwC rechnet damit, dass der Anteil batterieelektrischer Fahrzeuge an der weltweiten Produktion bis 2030 von derzeit 18 auf 30 Prozent steigt. Der Anteil konventioneller Verbrenner soll im gleichen Zeitraum von 60 auf 41 Prozent sinken.

Das Geschäft mit Verbrennungsmotoren und dem Aftermarket bleibt laut Studie zunächst eine wichtige Cash‑Quelle. Zugleich verändert sich ihre Rolle: Erlöse aus etablierten Bereichen sollen vermehrt den Aufbau neuer Technologien finanzieren. Für viele deutsche Hersteller und Zulieferer bedeutet das, ihre industrielle Kostenstruktur und Fertigungskapazitäten an ein niedrigeres Volumen von Verbrennern anzupassen.

Marktgrenzen verschieben sich — neue Wettbewerber drängen vor

Fast die Hälfte der deutschen Befragten (47 Prozent) sieht Zulieferer, die ihre Rolle erweitern, inzwischen als ernsthafte Konkurrenten; global liegt dieser Wert bei 41 Prozent. Außerdem dringen Technologie‑ und Energieunternehmen stärker in den Mobilitätsmarkt vor.

Der Wettbewerb verlagert sich dadurch vom reinen Fahrzeugwettbewerb hin zu unterschiedlichen Softwarearchitekturen, Plattformen und Ökosystemen. PwC rät deshalb, den Vergleichsrahmen zu verbreitern und Entwicklungen außerhalb der klassischen Automobilindustrie stärker zu beobachten.

Kompetenzaufbau und Kooperationen werden zentral

Die Studie unterstreicht, dass reine Neueinstellungen nicht ausreichen. Vielmehr müssten Weiterbildung, Kulturwandel und organisatorische Neuerungen eng mit Technologieinvestitionen verbunden werden.

Partnerschaften spielen dabei eine Schlüsselrolle: 75 Prozent der als besonders zukunftsfähig eingestuften Unternehmen setzen gezielt auf Kooperationen, wohingegen bei den übrigen Firmen nur 56 Prozent auf externe Allianzen bauen.

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