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Deutschland 2013: Motor oder Armenhaus Europas?

15. Mai 2013 | Von | Kategorie: Gesellschaft, Meinung

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Jeder Motor braucht Kraftstoff. Für Deutschland sind das zu einem großen Teil die Arbeitnehmer. Also die Gruppe der Gesellschaft, die, und das steckt ja bereits im Wort, arbeitet. Das machen eine ganze Reihe von Leuten, Tag für Tag und Jahr für Jahr in den unterschiedlichsten Berufen. Nur haben trotz Nachhaltigkeitsgetöse und zunehmender Flexibilisierung immer weniger etwas von der damit verbundenen Wertschöpfung. Die findet am Ende in anderen Geldbörsen ihren Niederschlag. Und da klingelt es erwiesenermaßen gewaltig.

© spothits

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Das ist keine Neid-Debatte!

Nun kann sich der gewogene Arbeitnehmer die Frage stellen, warum das so ist. Die erste Antwort, die ihm da von Arbeitgeberseite und deren Lobby immer entgegen geschmettert wird: So werden Arbeitsplätze gesichert. Nun gut, denkt man sich. Aber warum bin ich, wenn doch Arbeitsplätze gesichert werden, in keinem richtigen Anstellungsverhältnis, obgleich mein Kollege auf der anderen Seite des Bandes unbefristet für beinahe das doppelte Gehalt arbeitet?

Dann folgt Antwort zwei: Spitzen abfangen, Engpässe abfedern heißt es da. Auch hier bleibt irgendwie ein ungutes Gefühl, denn die abgefederte Spitze ist eigentlich ein Plateau, das manchmal über Jahre unermüdlich geschliffen wird. Aber was bitte federe ich denn da ab? Vermutlich Gewinneinbußen – eine andere Erklärung gibt es eigentlich nicht.

Ein Drittel atypisch beschäftigt

Unterdessen kommt die Hans Böckler Stiftung im April 2013 zu dem Schluss, dass nach zwanzig Jahren Flexibilisierung heute ein Drittel aller Arbeitnehmer in Deutschland einer atypischen Beschäftigung nachgeht.  Hierbei handelt es sich um Leiharbeit, Minijobs, Teilzeit oder befristete Arbeitsverträge. Die erzielten Einkommen sind nicht selten so niedrig, dass ein Zuschuss vom Staat gewährt werden muss, um bis zum Existenzminimum aufzuschließen.

Kein Einzelfall

Ein anderer Auswuchs ist, dass Arbeitgeber händeringend nach Minijobbern suchen, um die normal Beschäftigten nach und nach zu ersetzen. So lassen sich Kosten reduzieren und Einnahmen steigern. Ein anderes probates Mittel der Gewinnoptimierung ist es, die Belegschaft zu entlassen und im gleichen Atemzug anzubieten, wieder angestellt zu werden. Der Haken: Das Gehalt wird deutlich gekürzt.

Wer nun glaubt, dass es nicht noch frühkapitalistischer geht, stelle sich vor, dass es unter den Spitzen abfangenden und Plateau schleifenden Leiharbeitern noch rechtlosere Arbeitnehmer gibt. Das sind die mit Werkverträgen. Noch schlechter bezahlt als Leiharbeiter und noch schneller wieder draußen.

Steuergeld zur Gewinnoptimierung

Es bedarf keiner analytischen Fähigkeiten, zu erkennen, dass diese Entwicklung durchaus Züge von Manchester-Kapitalismus zeigt. Auch wenn Rainer Brüderle (FDP) das vehement bestreitet.

Sich in dieser Situation gegen einen Mindestlohn auszusprechen, ist entweder naiv oder ignorant. Was davon allerdings das kleinere Übel ist, bleibt unklar. Denn beide kosten den Steuerzahler Millionen. Als Erstes während der Arbeitsjahre in denen das Einkommen auf Grundsicherungsniveau aufgestockt werden muss. Geld fließt hier natürlich nicht in die Sozialkassen. Ein zweites Mal bei Eintritt ins Rentenalter. Denn auch dann sind Zuschüsse zum Erreichen der Grundsicherung nötig.

Armes reiches Deutschland

Insgesamt hat sich die Armut bei Erwerbstätigen und Arbeitslosen mit Beginn der Hartz IV Reformen in Deutschland stärker als in anderen EU-Ländern ausgebreitet, so ein Ergebnis der Böckler Studie.

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