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- Mehr als ein Störfeuer: der neue Normalzustand
- Fokus als Strategie, nicht Größe als Schutz
- Überhitzte Segmente und verbleibende Lücken
- Elektromobilität: noch immer kein verlässlicher Gewinnbringer
- Verbrenner und Hybride: Brücke oder Ballast?
- China: notwendige Marktpräsenz mit Risiken
- Local‑for‑local ist mehr als Produktion
- Industriepolitik: gleiche Spielregeln fordern
- Unterschätzte Gefahr: vom Technologie‑ zum Kostenwettbewerb
- Ein klarer Ratschlag
<pDie Zuliefersektor der Autoindustrie steht nach Ansicht von Roland‑Berger‑Partner Felix Mogge nicht mehr inmitten einzelner Krisen, sondern in einem andauernden strukturellen Wandel. Die Folgen – von Arbeitsplatzverlusten bis zu massiven Überkapazitäten – werden die Branche nach seiner Einschätzung noch Jahre prägen.
Mehr als ein Störfeuer: der neue Normalzustand
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Für Mogge ist die Zeit der klar abgrenzbaren Krisen vorbei. Einzelereignisse, etwa die kurzfristige Chip‑Versorgungskrise Ende 2025, bleiben Ausnahmen. Die zentralen Probleme seien inzwischen strukturell: Nachfragestagnation, Überkapazitäten, intensiver Wettbewerbsdruck und Verzögerungen bei der technologischen Transformation sowie unterschiedliche lokale Regelwerke.
Allein 2025 seien in der deutschen Automobilindustrie rund 50.000 Arbeitsplätze weggefallen – bei etwa 750.000 direkt Beschäftigten entspricht das rund sieben Prozent. Das deutet laut Mogge auf eine echte Strukturanpassung hin. Dennoch sei die Anpassung noch nicht abgeschlossen: In Europa bestehe weiterhin eine technische Überkapazität von 30 bis 40 Prozent, und weitere sechsstellige Anpassungen bei den Beschäftigten seien in den kommenden Jahren zu erwarten.
Fokus als Strategie, nicht Größe als Schutz
Die Umstellung des Produktportfolios sei kein Jahresprojekt, sondern ein mehrjähriger Prozess. Mogge bestätigt seine frühere Einschätzung: Größe allein reiche nicht. Entscheidend sei, dass Zulieferer sich auf wenige Geschäftsfelder konzentrieren und diese exzellent beherrschen.
Alternativ könne ein Lieferant versuchen, ganze Systeme zu dominieren – das sei aber nur wenigen globalen Anbietern möglich. Wer in zu vielen Feldern Mittelmaß bleibe, laufe Gefahr, ins Hintertreffen zu geraten.
Überhitzte Segmente und verbleibende Lücken
Bei klassischen Komponenten wie Hardware, Mechanik und Mechatronik existiere in fast jedem Segment ein Überangebot an Lieferkapazität. Das spreche für die nachlassende Wachstumsdynamik in den vergangenen Jahren – europaweit ebenso wie in China.
Eine Ausnahme sieht Mogge bei Hochvolt‑Batterien: Hier bestehe in Europa eine «riesige strategische Lücke». Bei der Elektronik sei die Lage besser, problematisch blieben jedoch Vorprodukte wie Halbleiter, deren Versorgung über Branchenstränge hinaus Auswirkungen habe.
Elektromobilität: noch immer kein verlässlicher Gewinnbringer
Obwohl sich einige extreme Verlustsituationen abgeschwächt hätten, bleibe die Elektromobilität für viele Zulieferer weiterhin ein Verlustgeschäft. Nach Meinung von Mogge hat sich der Zeitpunkt, an dem Elektrokomponenten in die Gewinnzone kommen könnten, in den letzten zwei Jahren tendenziell nach hinten verschoben – er geht eher in Richtung 2030.

Es gebe jedoch Erfolgsgeschichten: Firmen, die die Produktvarianz reduziert, verlustreiche Aufträge neu verhandelt und auf kostengünstige Technologieansätze gesetzt hätten, hätten Fortschritte erzielt. Insgesamt ist der Weg zur Profitabilität aber lang und kapitalintensiv.
Verbrenner und Hybride: Brücke oder Ballast?
Die anhaltende Nachfrage nach Verbrennungskomponenten und das Wiedererstarken von Hybriden entlaste kurzfristig manche Zulieferer des Antriebsstrangs. Für Anbieter, die vollständig auf E‑Antriebe gesetzt haben, wirkt diese Entwicklung dagegen negativ.
Wesentlicher Punkt: Das Nebeneinander unterschiedlicher Antriebskonzepte erhöht die Komplexität und die Kosten. Diese Zusatzkosten werden entlang der Wertschöpfungskette getragen – und darin bilden die Zulieferer einen großen Anteil.
China: notwendige Marktpräsenz mit Risiken
Mogge betont, dass Europa ohne China kaum auskomme: China bleibt der mit Abstand größte Einzelmarkt. Gleichzeitig steigen dort Wettbewerbs‑ und Preisdruck massiv. Dennoch bieten sich Chancen: In China lassen sich nach wie vor oft bessere Margen erzielen als in Europa, und viele europäische Zulieferer seien dort konkurrenzfähig, wenn sie lokale Autonomie und Marktanpassung zulassen.

Die Entwicklung in China habe zudem Innovationsdynamiken freigesetzt. Produkte und kostengünstige Lösungen, die dort entstanden sind, machten inzwischen weltweit Nachfrage und seien für die europäische Industrie wichtig.
Local‑for‑local ist mehr als Produktion
Die Antwort auf Zölle, Local‑Content‑Vorgaben und geopolitische Fragmentierung sei nicht nur eine Frage der Fertigungsstandorte. Nach Mogge müssen Zulieferer Entwicklung, Einkauf, Software und Daten regional neu aufstellen. Ohne lokale Entwicklung fehle die Nähe zum Produkt, ohne lokalen Einkauf der Zugang zur relevanten Lieferbasis.
Bei Software und Daten zeichne sich bereits eine Zweiteilung ab: ein chinesisch dominiertes Ökosystem einerseits und ein amerikanisch‑europäisches andererseits. Der Weg zu einer konsequenten „local for local“‑Strategie sei daher aus seiner Sicht unvermeidlich.
Industriepolitik: gleiche Spielregeln fordern
Mogge hält weiterhin an der Überzeugung fest, dass die europäische Zulieferindustrie wettbewerbsfähig bleiben kann – vorausgesetzt, die Rahmenbedingungen sind fair. Er warnt davor, staatliche Subventionen und öffentliche Eigentümer, die Verluste tolerieren, als normalen Wettbewerb zu akzeptieren.
Deshalb befürwortet er Diskussionen über Local‑Content‑Vorgaben in Europa, sofern diese gleiche Vorteile für alle bieten, die hier entwickeln und produzieren – unabhängig von Herkunftsland des Unternehmens.
Unterschätzte Gefahr: vom Technologie‑ zum Kostenwettbewerb
Ein zentrales Risiko sei der Wandel von einer technologiegetriebenen zu einer zunehmend kostengetriebenen Industrie. Sinkende Wachstumsdynamik und hohe Transformationskosten verschieben den Fokus auf das «was reicht» statt auf das technisch Machbare.
Europa habe sich darauf vielfach noch nicht in Mentalität und Organisation eingestellt. Die chinesische Industrie dagegen sei durch hohen Marktdruck gezwungen gewesen, schneller auf das Minimum zu reduzieren.
Ein klarer Ratschlag
Mogges Prioritätsempfehlung an europäische Zulieferer lautet: fokussieren. Weniger Produktgruppen, diese aber weltweit führend betreiben. Weniger Steuerung aus der Zentrale, mehr lokale Verantwortung. Und strategisch eventuell weniger, dafür intensiver betreute Kundenbeziehungen – begleitet über Regionen hinweg.
Felix Mogge ist Senior Partner bei Roland Berger und berät Unternehmen der automobilen Wertschöpfungskette, mit Schwerpunkt auf Zulieferindustrie, Restrukturierung und M&A.












