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BYD hat in Offenbach seine Deutschlandzentrale eröffnet und sendet damit ein klares Signal: Der chinesische Konzern will in Europa nicht nur verkaufen, sondern als lokaler Hersteller wahrgenommen werden. Die Nähe zum deutschen Hauptquartier von Hyundai macht deutlich, gegen wen BYD antreten will.
Neuer Standort, deutliche Absicht
Die Wahl von Offenbach als Standort ist bewusst: In Sichtweite zum Hyundai-Hauptquartier gelegen, zeigt BYD Präsenz dort, wo Mobilitätsmärkte entschieden werden. Lars Bialkowski, Chef von BYD Deutschland, bringt die Ambition auf den Punkt: „Unser strategisches Ziel ist es, in fünf Jahren als europäischer Hersteller wahrgenommen zu werden. Selbstverständlich mit chinesischem Hintergrund.“

Die Ankündigungen stehen unter Beobachtung. Bereits 2024 hatte BYD-Vizepräsidentin Stella Li das Ziel formuliert, für 2025 in Deutschland 50.000 Fahrzeuge zu verkaufen. Dieses Ziel wurde nicht erreicht; die tatsächlichen Verkaufszahlen lagen deutlich darunter. Nun will BYD den Rückstand in diesem Jahr aufholen.
Erfolge in Deutschland, Wandel im Produktmix
Die offiziellen KBA-Zahlen zeigen Rückenwind: Von Januar bis Mai 2026 wurden in Deutschland 19.993 BYD-Neuzulassungen registriert. Allein im Mai entfielen 6.168 Fahrzeuge auf die Marke, was einem Marktanteil von 2,6 Prozent entspricht und einem Anstieg von 232,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.
Bemerkenswert ist die Produktverteilung: Der Großteil der Verkäufe entfällt auf Plug-in-Hybride. Im Mai belegte BYD mit 4.290 PHEV-Zulassungen und einem Marktanteil von 15,35 Prozent den ersten Platz in diesem Segment. Das deutet auf eine strategische Kurskorrektur hin. Statt ausschließlich auf batterieelektrische Fahrzeuge zu setzen, rücken Teilzeitstromer stärker in den Fokus.
Wachstum im Ausland, schwächelnder Heimatmarkt
Weltweit lieferte BYD im Mai 2026 383.453 New Energy Vehicles (NEV) aus, ein geringes Plus von 0,26 Prozent im Jahresvergleich und das Ende einer achtmonatigen Negativserie. Der Schein trügt jedoch: In China gingen die Mai-Verkäufe auf 222.809 Fahrzeuge zurück, ein Rückgang von 24,07 Prozent gegenüber 2025.
Für den Zeitraum Januar bis Mai 2026 ergibt sich ein gemischtes Bild. Weltweit wurden 1.405.039 NEV verkauft, was einem Minus von 20,32 Prozent entspricht. Gleichzeitig stiegen die Auslandslieferungen deutlich: von 374.217 auf 616.907 Einheiten, ein Plus von rund 64,9 Prozent. Der Inlandmarkt dagegen verlor massiv: Die Verkäufe in China fielen von 1.389.152 auf 788.132 Fahrzeuge, ein Einbruch um 43,3 Prozent. Rechnet man die Zahlen zusammen, liegt der Konzernabsatz insgesamt rund 358.330 Fahrzeuge unter dem Vorjahreszeitraum.
China drückt, Export wird zur Notwendigkeit
Auch andere Hersteller aus China verstärken ihre Auslandsaktivitäten. Laut der China Association of Automobile Manufacturers (CAAM) exportierte das Land von Januar bis Mai 2026 insgesamt 4,059 Millionen Fahrzeuge, ein Anstieg von 63 Prozent. Die NEV-Exporte verdoppelten sich auf 1,833 Millionen Einheiten; bei elektrifizierten Pkw nennt die CAAM 1,792 Millionen Fahrzeuge.
Der heimische Gesamtfahrzeugmarkt schrumpfte in den ersten fünf Monaten des Jahres auf 12,207 Millionen Einheiten, ein Rückgang von 4,2 Prozent. Die China Passenger Car Association (CPCA) meldet für Pkw-Inlandsverkäufe 7,099 Millionen Fahrzeuge, 19,5 Prozent weniger als im Vorjahr.
Vor diesem Hintergrund spricht Experten wie Philipp Seidel von Arthur D. Little von einer strukturellen Verschiebung: Es sei der Übergang vom China-Scale– hin zum Global-Scale-Modell. Wer auf internationalen Märkten bestehen wolle, sei zunehmend auf Export angewiesen.
Fertigung in Europa: Verzögerungen und Pläne
Für BYD ist lokale Produktion mehr als Prestige: Sie ist ein Weg, EU-Zölle auf reine BEVs zu umgehen. Das erste europäische Werk in Szeged (Ungarn) sollte ursprünglich Ende 2025 anlaufen. Die Fertigungspläne verschoben sich jedoch. Nun ist der Produktionsstart des Modells Dolphin Surf für das vierte Quartal dieses Jahres angekündigt.

In Szeged sollen künftig vier Modelle gefertigt werden, mit einer Kapazität von rund 300.000 Fahrzeugen in Ungarn. Eine geplante zweite Fabrik in der Türkei mit 150.000 Jahreskapazität liegt derzeit auf Eis.
Brownfield statt Greenfield: BYD sondiert Spanien
Statt umfangreicher Neubaumaßnahmen bevorzugt BYD nach eigenen Aussagen den Erwerb bestehender Werke. Chefstratege Alfredo Altavilla begründete dies damit, dass für neue Greenfield-Standorte angesichts möglicher EU-Auflagen zur lokalen Wertschöpfung schlicht keine Zeit bleibe. Daher suche man nach passenden Brownfield-Optionen.
Als Zielregion gilt Südeuropa, vor allem Spanien. Politische Signale spielen BYD in die Karten: Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez führte im April 2026 Gespräche in Peking und positioniert sich öffentlich als Brücke zwischen China und der EU. Medienberichten zufolge könnte eine Übernahme eines Werks von Stellantis zu den Optionen zählen.
Der Druck auf BYD bleibt hoch. Seidel weist darauf hin, dass Kostenführerschaft durch Skaleneffekte zwar nach wie vor ein Vorteil sei. Entscheidend für den weiteren Erfolg werden jedoch die Marge pro Exportfahrzeug, die Geschwindigkeit der Lokalisierung, der Markenaufbau und die Servicequalität außerhalb Chinas sein. Zudem dürfe BYD den Anschluss bei Software-definierten Fahrzeugen (SDV) und dem autonomen Fahren (AD) nicht verlieren.











