Sind Keyless-Systeme nach zehn Jahren Tests endlich sicher?

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Der ADAC hat in einer Langzeituntersuchung 850 Fahrzeuge auf Sicherheitslücken bei schlüssellosen Zugangssystemen geprüft. Das Ergebnis: Viele Autos bleiben angreifbar, während neue Techniken wie UWB echten Schutz versprechen.

ADAC zieht Bilanz nach zehn Jahren Keyless-Tests

Nach einem Jahrzehnt beobachtet der Club weiterhin erhebliche Schwachstellen bei sogenannten Keyless- oder Komfortschlüsseln. Trotz technischer Fortschritte sind nicht alle Hersteller nachgezogen.

Wie Angreifer vorgehen

Die meistgenutzte Angriffsmethode ist ein sogenannter Relay-Angriff. Zwei Geräte werden eingesetzt: Eines in der Nähe des Schlüssels, das andere am Auto. So lässt sich das Signal künstlich verstärken und das Fahrzeug öffnen.

Symbolische Darstellung eines Relay-Angriffs mit zwei drahtlosen Geräten
Relay-Angriffe nutzen zwei Geräte, um das Funksignal eines Schlüssels zu verstärken.

Für die Tat ist kein Zugriff auf Fahrzeugdaten nötig. Forschungsergebnisse der ETH Zürich wiesen die Methode bereits 2011 nach. Täter können deshalb Autos innerhalb von Sekunden unbemerkt starten.

Konkrete Folgen für Besitzer

Ist das Auto einmal gestartet, fährt es so lange weiter, bis Kraftstoff oder Batterie erschöpft sind. Zudem bleiben oft keine Einbruchspuren zurück. Das erschwert die Schadenregulierung und kann zu Verdacht auf Versicherungsbetrug führen.

UWB: ein wirksamerer Schutz

Als erster Hersteller stattete Jaguar Land Rover neue Modelle mit Ultra-Wideband-Technik aus. Dazu nennt der Hersteller unter anderem Discovery sowie Range Rover und Range Rover Sport (jeweils ab Modelljahr 2018) sowie die Modelle Jaguar E‑Pace und i‑Pace.

Seit etwa 2019 bieten zudem mehrere Hersteller modellabhängig UWB-geschützte Systeme an. Zu den Marken mit entsprechenden Fahrzeugen zählen unter anderem Audi (etwa A3, Q4 e‑tron), Cupra (Born, Formentor), Seat (Leon), Škoda (Enyaq, Octavia), Volkswagen (Golf 8, ID‑Modelle, Caddy, T7) sowie BMW, Genesis, GWM, Hyundai, Kia, Mercedes und Suzuki.

Warum Bewegungs­sensoren allein nicht ausreichen

Manche Schlüssel schalten das Funksignal ab, wenn sie längere Zeit stillstehen. Solche Bewegungs­sensoren sind ein Schritt in die richtige Richtung, gelten aber nicht als komplett sicher.

Was der ADAC fordert

  • Neue Fahrzeuge mit Keyless-Systemen müssen gegen Diebstahl angemessen geschützt sein. Die Hersteller sind in der Pflicht.
  • Teurere Keyless‑Optionen dürfen nicht leichter zu knacken sein als Standard‑Funkschlüssel.
  • Ein neutraler Wirksamkeitsnachweis, etwa nach der internationalen Common‑Criteria‑Methode, wäre wünschenswert.
  • Bewegungssensoren sollten den Schlüssel spätestens nach fünf Minuten Ruhe deaktivieren.

Praktische Schutzmaßnahmen für Fahrzeughalter

Es gibt einfache Verhaltensregeln, die das Risiko reduzieren. Einige sind wenig aufwändig, andere erfordern Investition oder Verzicht auf Komfort.

Verschiedene Abschirmmethoden für Autoschlüssel wie Metallboxen und spezielle Etuis
Einfache Abschirmmittel wie Metallboxen oder spezielle Etuis reduzieren das Diebstahlrisiko.

  • Im Handbuch prüfen, ob sich das Keyless‑System deaktivieren lässt – das macht das Fahrzeug deutlich weniger angreifbar.
  • Schlüssel nicht in der Nähe von Außentüren, Fenstern oder sonstigen Außenwänden lagern.
  • Nach Möglichkeit nachts in einer verschlossenen Garage parken.
  • Als provisorische Abschirmung kann ein Metalldöschen, ein spezielles abschirmendes Etui oder – wenn es wirklich dicht ist – Aluminiumfolie helfen. Vorher testen, ob die Abschirmung vollständig wirkt.

Hilfsmittel und Nachrüstlösungen

Für bestimmte Modelle bieten freie Anbieter Nachrüstsets an. Hersteller unterstützen eine Nachrüstung mit Originalteilen in der Regel nicht.

Der Umbau ist aufwendig: Neue Außengriffe, zusätzliche Antennen unter dem Unterboden, im Innenraum und im Kofferraum sowie umfangreiche Verkabelung sind oft nötig. Allein die Teilekosten liegen häufig über 1.000 Euro, hinzu kommen hohe Einbaukosten.

Wichtig zu wissen: Eine nachträglich eingebaute Lösung ist sicherheitstechnisch genauso gut oder schlecht wie das verbaute System. Nicht jede Zusatzschaltung erhöht den Schutz dauerhaft.

Schlüsselloser Zugang per Smartphone

Viele Hersteller bieten inzwischen virtuelle Schlüssel an, die im Wallet des Smartphones hinterlegt werden. Mitunter genügt das Mitführen des Handys, um zu entriegeln und zu starten.

Bei manchen Systemen ist ein genaues Anlegen des Smartphones an markierte Stellen erforderlich. Unabhängige Langzeittests zur Sicherheit dieser Verfahren liegen bislang nicht vor.

Keyless auch bei Motorrädern

Komfortschlösser sind nicht nur bei Autos zu finden. Hersteller wie BMW, Ducati, Harley‑Davidson und KTM setzen Keyless‑Funktionen bei aktuellen Motorradmodellen ein.

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