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Der Leapmotor B10 Hybrid EV verspricht das Beste aus zwei Welten: elektrisches Fahren mit der Alltagssicherheit eines Bord-Verbrenners als Generator. Unsere Eindrücke ergänzen die bereits erschienene Langstreckenfahrt von Kollege Otto (30. Mai 2026) und fokussieren auf Bedienung, Komfort, Verbrauch und reale Reichweite.
Innenraum: gute Werkstoffe, ungewohnte Bedienlogik
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Positiv fällt die **Materialqualität** im Innenraum auf: Oberflächen wirken wertig, Sitze und Verarbeitung entsprechen dem aktuellen Segment. Das Raumangebot ist großzügig; auch Personen um 1,87 Meter sitzen hinten noch bequem, wenngleich der hohe Fußboden die Knie etwas anwinkelt.

Gleichzeitig irritiert die Bedienphilosophie. Fast alle Funktionen laufen über den großen **Touchscreen**; physische Schalter sind stark reduziert. Es bleibt ein kleiner Fahrerbildschirm, doch die Belegung der Lenkradtasten ist nicht eindeutig, einzig die Fensterheberbedienung überzeugt. Viele Menüs liegen zu tief – das kostet Zeit und lenkt vom Verkehr ab.
Außen zeigen sich typische Details chinesischer Hersteller: Stabtürgriffe und ein Heckdesign, das an frühere Macan-Modelle erinnert. Auffällig: Die Heckscheibe ist ohne Scheibenwischer ausgeführt.
Fahrverhalten und Antrieb
Wer die Karte oder die App auflegt, startet den Wagen. Beim Anfahren ist ein markantes Geräusch zu vernehmen; sonst fährt der B10 weitgehend ruhig und vibrationsarm. Technisch ist das Konzept klar: Die Räder werden ausschließlich elektrisch angetrieben, der 1,5‑Liter‑Benziner (88 PS) fungiert nur als Stromerzeuger.
Der Elektromotor leistet **160 kW (218 PS)**; im Alltag sorgt er für spontan ansprechenden Vortrieb und ein fahraktives Gefühl, das für ein SUV dieser Größe agil wirkt. Die Lenkung vermittelt allerdings eine etwas synthetische Rückmeldung. Deutlicher Kritikpunkt ist die Assistenzsoftware: Spurhalte- und Aufmerksamkeitsassistent greifen zu forsch ein und erzeugen gelegentlich unnötige Korrekturen.
Verbrauch und Langstrecke
| Schnelle Daten | Leapmotor B10 Hybrid EV (2026) |
|---|---|
| Antrieb | Elektromotor mit Range‑Extender; Heckantrieb; 1,5‑L‑Benziner als Generator |
| Systemleistung / Drehmoment | 160 kW (218 PS) / 240 Nm |
| 0–100 km/h | 7,5 Sekunden |
| Höchstgeschwindigkeit (Herstellerang.) | 170 km/h |
| Akkukapazität (Brutto) | 18,8 kWh |
| WLTP‑Reichweite Elektro | 82 km |
| Testverbrauch (Benzin) | Durchschnitt 6,4 l/100 km (Spanne 6,1–7,4) |
| Basispreis Deutschland | ab 32.400 € |
In unserem Praxistest ergab sich ein Durchschnittsverbrauch von rund **6,4 Litern** pro 100 Kilometer, trotz erheblicher Autobahnanteile. Leapmotor nennt selbst 6,1 l/100 km bei entladener Batterie. Mit dem 50‑Liter‑Tank und der zusätzlichen Elektroreichweite kommt man im Rechenmodell auf etwa **850 Kilometer** Gesamtreichweite — Werte, die mit Dieselmodellen vergleichbar sind.

Interessant: In der längeren Alpenfahrt, die Kollege Otto beschrieb, sank der Verbrauch sogar zeitweise auf etwa 5,8 l/100 km, wodurch sich rechnerisch eine Reichweite von über 860 Kilometern ergab. Das Konzept funktioniert also besonders effizient, wenn der Generator im optimalen Betriebsbereich läuft.
Komfort, Raumgefühl und Alltagstauglichkeit
Der B10 vermittelt auf langen Strecken Ruhe und Reisekomfort. Wind‑ und Fahrgeräusche bleiben dezent, die Federung filtert Schlaglöcher angenehm. Das große Glasdach schafft zusätzlich ein luftiges Raumgefühl; der Kofferraum punktet mit niedriger Ladekante.
Die Sitze sind bequem und belüftet, doch nach vielen Stunden fehlt eine Lordosenstütze. Praktisch sind die Smartphone‑Funktionen: Öffnen, Starten und das temporäre Teilen von Zugängen per App funktionieren zuverlässig.
Haken und Zahlen zum Markt
Auf der Minusseite stehen die reduzierte Bedienungshaptik, die fehleranfällige Sprachsteuerung und die teils ungewohnte Anordnung von Schaltern, etwa beim Tempomaten. Die Assistenzsysteme brauchen Feinschliff, damit sie weniger aufdringlich arbeiten.
Preislich ist der B10 attraktiv aufgestellt: In Deutschland beginnt die Ausstattungslinie bei **32.400 Euro**, mit einer “All Inclusive”-Variante ab **33.900 Euro**. Zum Vergleich: Ein Nissan Qashqai e‑Power liegt bei Listenpreisen ab rund **40.180 Euro**. Zudem plant Opel, ab 2028 die technische Basis des Leapmotor für ein SUV zu nutzen — ein Umstand, der potenziell Auswirkungen auf die Markteinführung europäischer Modelle haben dürfte.
Fazit
Der Leapmotor B10 Hybrid EV löst das klassische Reichweitenproblem vieler reiner EVs überzeugend: Er fährt elektrisch, ohne dass der Fahrer ständig an Reichweite denken muss. Verbrauchswerte und Praxiseindrücke bestätigen die Alltagstauglichkeit. Trotz guter Materialanmutung und komfortabler Langstreckeneigenschaften schmälert die zu stark auf Touchbedienung reduzierte Steuerung sowie die übergriffige Assistenz den Gesamteindruck.
Ein ausführlicher Prüfzyklus des B10 läuft in unserer Redaktion; ein kompletter Test mit detaillierten Messergebnissen folgt in Kürze auf Motor1.com.












