Ahorn CV 560 (2026): Test klärt, ob er Allrounder-Qualitäten hat oder zu Lagerkoller neigt

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Vier Wochen, mehr als 6.000 Kilometer und Strecken von Deutschland bis Portugal: Wir haben den kompakten Ahorn CV 560 auf einer ausgedehnten Tour geprüft, um zu klären, ob der 5,68 Meter lange Camper-Van auch Dauereinsätze verträgt. Im Fokus standen Stauraum, Fahrkomfort, Schlafqualität und Alltagstauglichkeit auf Langstrecke.

Kurzdaten: Was der CV 560 mitbringt

Der Ahorn CV 560 basiert auf dem Renault Master und misst außen 5,68 Meter bei einer Aufbauhöhe von 2,60 Metern. Angetrieben wird unser Testwagen von einem 2,0‑Liter‑Vierzylinder‑Diesel mit 125 kW (170 PS) und 380 Nm, gekoppelt an eine 9‑Gang‑Wandlerautomatik. WLTP‑Angaben nennt Ahorn mit 7,8 l/100 km und 204 g CO2 (je nach Ausstattung und Fahrweise variieren die Werte deutlich). Grundpreis: ab 52.800 Euro.

Packen: Viel Stauraum — aber mit Einschränkungen

Der CV 560 bietet Stauräume an vielen Stellen: überm Heckbett, über der Dinette, in der Küche und im Heckbereich gibt es mehrere Schränke und Fächer. Das Konzept ist durchdacht, für größere Mengen Campingzubehör jedoch nicht ohne Organisation zu nutzen.

Wer Tisch, Stühle, Arbeitsmaterial und Proviant dauerhaft mitführt, muss häufiger umräumen. Das optionale Dinettenbett (1,67 x 0,80 m) ist für Erwachsene zu klein und reduziert im Alltag eher die Bewegungsfreiheit — Empfehlung: zuhause lassen, wenn kein Kleinkind mitreist.

Fahrverhalten und Reisekomfort

Auf langen Etappen überzeugt die Master‑Basis: Motorleistung, Drehmoment und die Automatik passen gut zu Autobahnkilometern und bergigem Gelände. Das Fahrwerk liefert eine ausgewogene Mischung aus Komfort und Seitenführung; Unebenheiten werden ordentlich gedämpft.

Wohnmobil auf Autobahn während einer Langstreckenfahrt
Die Master-Basis überzeugt auf langen Etappen mit guter Motorleistung und ausgewogener Federung.

Bis etwa 100 km/h bleibt das Geräuschniveau akzeptabel, darüber dominieren Wind‑ und Motorgeräusche — kein Wunder bei einer zwei Meter hohen Kastenwand. Positiv fällt die Verarbeitungsqualität des Innenausbaus auf: Dämmung und Verbindungen sorgen in der Regel für Ruhe im Wohnraum.

Schlafplatz: Querbett mit Kompromissen

Das feste Querbett im Heck misst 1,90 x 1,34 Meter und ist per Tritt gut erreichbar. In der Praxis zeigte sich die Matratze dreigeteilt; das Bett neigt zu Bewegung und bietet nicht immer optimalen ergonomischen Halt. Für längere Reisen empfiehlt sich ein Topper, um den Liegekomfort zu verbessern.

Die Belüftung klappt über Dachluke und seitliches Fenster; an kühlwindigen Küstenabschnitten erweist sich das System als ausreichend. An sehr heißen Tagen bietet die Truma‑Ventilation Unterstützung, eine separate Klimaanlage im Aufbau fehlt — eine Klimaanlage gibt es nur im Fahrerhaus.

Küche, Dinette und Alltagstauglichkeit

Die zweiflammige Kochstelle, ein 70‑Liter‑Kühlschrank mit Gefrierfach und mehrere Schubladen machen Selbstversorgung möglich. Der Platz ist kompakt, erfordert aber kreatives Ablegen von Geschirr und Lebensmitteln. Der Kühlschrank ist mit etwas Einräumen gut nutzbar; das Gefrierfach war praktisch für unterwegs.

Kleine Wohnmobil-Küche mit Kochstelle und Kühlschrank
Die zweiflammige Kochstelle und der 70-Liter-Kühlschrank ermöglichen Selbstversorgung im kompakten Raum.

Die Dinette bleibt in geschlossenem Zustand ein zentraler Arbeits‑ und Essplatz; ausklappen bedeutet den Dreh des Beifahrersitzes und vergrößert die Fläche spürbar. Steckdosen‑ und USB‑Anschlüsse sind reichlich vorhanden, für intensives Arbeiten unterwegs ist jedoch häufig Landstrom oder ergänzende 230‑V‑Lösungen nötig.

Das Bad: Cleverer Klappmechanismus

Eine der auffälligsten Lösungen ist das Klappbad: Waschbecken und Spiegel lassen sich umklappen, sodass aus der Toilette binnen kurzer Zeit eine Dusche entsteht. Das spart Platz und macht das Fahrzeug deutlich unabhängiger von externen Sanitäranlagen.

Kleiner Kritikpunkt: Die Brauseschlauchführung verlangt Sorgfalt, ansonsten kann es zu Verfärbungen der Badoberflächen kommen. Außerdem ist die Toilette etwas hoch gebaut; kleinere Hilfsmittel helfen, machen das Bad aber nicht geräumiger.

Versorgung, Anzeigen und Elektrik

Tanks: 80 + 20 Liter Frischwasser, 80 Liter Abwasser; Aufbau‑Batterie 95 Ah. In der Praxis erwies sich die Anzeige für Frisch‑ und Abwasser als unzuverlässig: Füllstände reagierten nicht immer korrekt, das Abwasser zeigte selten Null an. Praktisch funktionierte die Versorgung trotzdem für zwei Personen bei regelmäßigem Duschen etwa zwei Tage.

Optional bietet Ahorn eine Solaranlage (zwei 80‑W‑Paneele) zur Unterstützung der Bordelektrik. Das Infotainment ist Renault‑typisch aufgebaut und unterstützt Android Auto — ein Komfortgewinn für Navigation und Medien auf Tour.

Praxisverbrauch und Reisekosten

Über die Testdistanz von mehr als 6.000 Kilometern ergab sich ein Durchschnittsverbrauch von rund 8,5 l/100 km Diesel; zusätzlich wurden etwa 5 Liter AdBlue nachgetankt. Auf flachen Etappen in Portugal fielen Werte um 7,6 l/100 km, bergigere Abschnitte zeigten bis zu 10,2 l/100 km.

Die Treibstoffrechnung für den vierwöchigen Roadtrip belief sich auf 1.065,50 Euro; Stell‑ und Campingplatzkosten lagen bei 130,90 Euro (je nach Land variieren die Kosten deutlich). Rechnet man Ausstattungspakete hinzu, steigen die Anschaffungskosten spürbar.

Preisliche Einordnung und Alternativen

Basispreis des CV 560: ab 52.800 Euro. Mit empfohlenen Optionen (stärkere Motorisierung, Automatik, Multimedia‑Paket, Solar, Comfort‑Pack u.ä.) summieren sich die Aufpreise; in unserem Testbeispiel lagen die Extras bei rund 11.030 Euro, womit der Endpreis auf etwa 63.830 Euro steigt.

Vergleichbare Konzepte finden sich vereinzelt: Ford‑Transit‑Basen mit ähnlicher Länge, Bürstner Lineo C (ab 54.590 Euro) oder VanTourer‑Modelle (gebraucht und zum Teil eingestellt). Größere oder anders geschnittene Konkurrenten wie der Matist L spielen preislich und räumlich in einer anderen Liga.

Pro und Kontra

  • Pro: gutes Fahrverhalten und Antrieb, überzeugende Wendigkeit, innovatives Klappbad, solide Geräuschdämmung, modernes Infotainment.
  • Kontra: Querbett‑Schlafkomfort mit Einschränkungen, unzuverlässige Tankanzeigen, kleinere ergonomische Schwächen, preisliche Aufschläge durch Extras.

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