Operativer Neuanfang bei Lucid angekündigt

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Lucid Motors hat seine Zahlen für das zweite Quartal veröffentlicht und parallel ein umfassendes Umstrukturierungsprogramm gestartet. Die neue Führung will mit einem „Operational Reset“ den Cashflow stärken, die Organisation verschlanken und die Servicequalität verbessern.

Maßnahmepaket zielt auf 1,4 Milliarden US-Dollar

Im Mittelpunkt der Neuausrichtung steht ein Ziel, das Lucid bis Jahresende erreichen will: eine Verbesserung der Liquidität um insgesamt 1,4 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen plant, dieses Volumen aus drei Quellen zu erzielen.

Etwa 600 bis 800 Millionen Dollar sollen durch den gezielten Abbau von Lagerbeständen freigesetzt werden. Weitere rund 500 Millionen Dollar werden durch niedrigere Investitionsausgaben erwartet, während knapp 200 Millionen Dollar durch reduzierte Betriebskosten eingespart werden sollen. In die Betriebskostensenkungen sind bereits die im Juni kommunizierten Maßnahmen eingerechnet, darunter der Abbau von rund 18 Prozent der US-Belegschaft und das Ende der zweiten Schicht im Werk AMP‑1 in Arizona.

Lucids CEO Silvio Napoli erklärte: „Lucid verfügt über führende Technologie, überzeugende Produkte und hoch engagierte Mitarbeiter – doch Potenzial ist nicht gleich Leistung. Wir kehren zu den Grundlagen zurück, mit klarem Fokus auf Cash, Kunden und Kultur.“

Weniger Führungsebenen, stärkerer Servicefokus

Das Programm ist in drei Prioritäten gegliedert: Cash & Cost, Customer & Quality und Culture & Team. Ein konkretes Ziel ist, die Wartezeiten im Service in diesem Jahr um ein Drittel zu reduzieren. Dafür will Lucid verstärkt in Techniker und Kundenbetreuung investieren.

Gleichzeitig soll die Entscheidungsstruktur verschlankt werden: Die Anzahl der Führungskräfte, die direkt an den CEO berichten, wird halbiert, um Entscheidungswege zu verkürzen und Verantwortlichkeiten klarer zuzuordnen. Lucid-Vorstandschef Turqi Alnowaiser unterstützte die Strategie des neuen Managements und betonte, der Aufsichtsrat stehe hinter den Maßnahmen.

Robotaxis, AMP‑2 und ein neues Mittelklasse-Modell

Neben Einsparungen benennt Lucid drei Projekte, die weiterhin Förderpriorität haben. Zum einen das Robotaxi-Programm in Partnerschaft mit Uber und Nuro: Eine Testflotte von knapp 100 Fahrzeugen ist in der San Francisco Bay Area und in Houston unterwegs. Laut Unternehmen wurden erste produktionsreife Lucid‑Gravity-Fahrzeuge bereits an Nuro ausgeliefert.

Zum anderen läuft der Ausbau der Fertigung in Saudi-Arabien: Das Werk AMP‑2 befinde sich im Übergang von der Bauphase zur Industrialisierung. Anlagen für Karosseriebau, Lackierung und Endmontage werden derzeit installiert und in Betrieb genommen. Drittens arbeitet Lucid an einer neuen Mittelklasse-Plattform; Prototypen und Antriebseinheiten durchlaufen Erprobungen, Crashtests und Kältetests in Neuseeland.

Produktion steigt, Verluste bleiben hoch

Im zweiten Quartal fertigte Lucid 4.774 Fahrzeuge – ein Anstieg von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Auslieferungen beliefen sich auf 3.953 Einheiten, ein Plus von 19 Prozent. Der Umsatz stieg um 56 Prozent auf 405 Millionen US‑Dollar. Das Management erklärte, die Produktion sei bewusst gedrosselt worden, um Lagerbestände zu reduzieren und Kapital freizusetzen.

Produktionslinie mit steigenden Produktionszahlen in der Automobilindustrie
Lucid steigerte die Produktion im Q2 2026 um 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Diesen Zuwächsen stehen aber weiterhin erhebliche Verluste gegenüber: Der Nettoverlust im zweiten Quartal betrug rund 1,03 Milliarden Dollar; für das erste Halbjahr 2026 summiert sich der Verlust auf etwa 2,06 Milliarden Dollar. Der freie Cashflow lag im Quartal bei minus 1,48 Milliarden Dollar. Zum Quartalsende verfügte Lucid über eine Gesamtliquidität von rund 3,0 Milliarden Dollar. Man geht davon aus, dass jüngst gesicherte Finanzierungen zusammen mit den operativen Maßnahmen die Liquidität weit in das Jahr 2027 tragen sollen.

Personelle Umbrüche als Vorgeschichte

Das Reset folgt auf einen turbulenten Sommer. Bereits im Juni hatte Lucid in einer Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht den Abbau von etwa 18 Prozent der US-Belegschaft und das Ende der zweiten Schicht in Arizona angekündigt. Für die Maßnahmen fallen einmalige Kosten in Höhe von rund 32 Millionen Dollar für Abfindungen und Übergangsleistungen an.

Parallel verließ COO Marc Winterhoff das Unternehmen; seine Funktion wurde im Zuge der Neuausrichtung gestrichen. Zum 1. Juni übernahm Silvio Napoli, vormals Chef des Aufzugsherstellers Schindler, den Vorstandsvorsitz. Die jetzt vorgestellten Quartalszahlen und das Operational‑Reset-Programm spiegeln, wie konsequent Napoli die seit seinem Amtsantritt angekündigte Kostendisziplin umsetzt.

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