London to Brighton: Schnupfen zu Ehren von Carl Benz

London to Brighton: Schnupfen zu Ehren von Carl Benz © spothits/Bonhams
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London to Brighton: Schnupfen zu Ehren von Carl Benz

Wenn im November wieder die mehr als 111 Jahre alten Fahrzeuge zum traditionellen „Bonhams London to Brighton Veteran Car Run supported by Hiscox” aufbrechen, sorgt das englische Wetter für so manchen Schnupfen. In diesem Jahr werden hoffentlich nicht zu viele Teilnehmer verschnupft sein, dass das älteste Auto-„Rennen“ der Welt dieses Mal den deutschen Autopionier Carl Benz würdigt.

London to Brighton: Schnupfen zu Ehren von Carl Benz © spothits/Bonhams
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„Bonhams London to Brighton Veteran Car Run supported by Hiscox”

Wenn am Sonntag, 6. November 2016, wieder einmal ein paar würdig aussehende Herren im Hyde Park mitten in London eine rote Flagge zerreißen, soll das an ein Ereignis erinnern, das genau 120 Jahre zurückliegt. Damals war in England der Locomotive Act – besser bekannt als „Red Flag Act” – abgeschafft worden, der nicht nur ein allgemeines Tempolimit von 6,4 km/h, sondern bis 1878 jedem motorisierten Fahrzeug einen mit roter Fahne vorausgehenden Fußgänger vorgeschrieben hatte. Nun betrug die erlaubte Höchstgeschwindigkeit 22,5 km/h, was für die autobegeisterten Engländer Anlass genug war, eine Motorsportveranstaltung ins Leben zu rufen- eben den London-Brighton-Run.

Der blieb zunächst ein einmaliges Ereignis bis er 1927 eine Renaissance erfuhr und seither alljährlich mit Ausnahme von Kriegszeiten und Jahren mit Treibstoffknappheit immer am ersten Wochenende im November stattfindet. Die Regeln verlangen, dass ausschließlich Fahrzeuge, die 1905 oder in den Jahren davor produziert worden sind, teilnehmen dürfen. Deren Antrieb dagegen ist egal, Benzin-, Elektro- oder Dampfmaschinen sind gleichberechtigt. Damit gilt die Veranstaltung als die weltweit größte Versammlung von Veteranenfahrzeugen aus der Frühphase der Automobilgeschichte, in diesem Jahr erwartet der britische Royal Automobile Club als Veranstalter mehr als 400 Teilnehmer.

Gestartet wird bei Sonnenaufgang mit gleichzeitigem Flaggenzerreißen im Hyde Park. Die Strecke führt schnurstracks auf der Landstraße A23 in Richtung Süden und endet in Brighton nach 86 Kilometern. Unterwegs gibt es zwei offizielle Tee-, Kaffee- und Boxenstopps: nach 30 Kilometern in der Stadt Crawley und danach in Preston Park, einem Vorort von Brighton. Preston Park ist der offizielle Endpunkt des Rennens. Die Fahrzeuge fahren dann jedoch traditionell weiter zur Seepromenade Madeira Drive. Dabei geht es keineswegs um Sieg oder Niederlage. Jeder, der vor 16:30 Uhr das Ziel erreicht, bekommt als Auszeichnung eine Medaille. Und da es nicht um Tempo geht, dürfen die Autos eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 32 km/h nicht überschreiten.

In diesem Jahr wird ein deutsches Genie der Veranstaltung seinen Stempel aufdrücken. Tom Purves, Chef des Royal Automobile Club, weiß: “Carl Benz und seine Frau Bertha, die 1888 die erste Fernfahrt mit einem Auto unternahm, waren zweifelsfrei weitsichtige Pioniere. Aber nicht einmal sie haben sich vorstellen können, welche Rolle das Automobil im 21. Jahrhundert spielen würde. Unsere Veranstaltung will in diesem Jahr die Bedeutung von Benz, die seiner Zeitgenossen und die seines Landes für die Geschichte des Autos würdigen.”

Während der heutige “Bonhams London to Brighton Veteran Car Run supported by Hiscox” (Bonhams ist eines der ältesten und größten Auktionshäuser der Welt, Hiscox ein Versicherungsunternehmen) seine Geburt vor nunmehr 120 Jahren erlebte, feiert auch das Auto selbst ein Jubiläum. 130 Jahre sind es genau her, dass Carl Benz seinen Patent-Motorwagen präsentierte, während ungefähr gleichzeitig Gottlieb Daimler an einem Auto arbeitete, das ein paar Monate später erschien. “Die Erfindung dieser beiden deutschen Ingenieure”, würdigt Tom Purves, “setzte eine Revolution in der individuellen Mobilität in Gang.”

Die britische Verbeugung für das “Made in Germany” vor 130 Jahren schlägt sich nicht nur im diesjährigen Logo der Veranstaltung wider, wo ein sich Union Jack mit der Deutschlandfahne vereint. Auch in der Teilnehmerliste sind 14 deutsche Uralt-Veteranen vertreten. Dazu gehören inzwischen fast vergessene Marken wie Adler Automobile aus Frankfurt oder Cudell aus Aachen. Den Löwenanteil machen natürlich Fahrzeuge von Benz und Mercedes aus. Der Allgemeine Schnauferl Club steuert einen Benz Victoria, das erste vierrädrige Fahrzeug von Benz & Co, und einen Benz Phaeton bei, das Mercedes-Benz-Museum einen Benz Spider und einen Mercedes Simplex.

Für die Fahrer und deren mitreisende Passagiere – viele davon nach der Mode des Übergangs zum 20. Jahrhundert gekleidet – bedeutet die Teilnahme ein unvergessliches Abenteuer, zumal erfahrungsgemäß nur ein Fünftel das Ziel an der Küste ohne größere Probleme erreicht. Doch auch für die Zuschauer am Rand der Strecke gleicht die Veranstaltung an vielen Stellen einem Volksfest. Jetzt, wo das Britische Pfund einen historischen Tiefstand erreicht hat, lohnt sich für deutsche Oldtimer-Fans vielleicht sogar ein kurzer Ausflug über den Kanal. Zahlreiche Tipps sind im Internet unter http://www.veterancarrun.com/ zu finden.

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