Allrad mal anders: Renault Megane und Talisman mit Allrad-Lenkung

Renault Megane und Talisman mit Allrad-Lenkung. © spothits/Renault
Renault Megane und Talisman mit Allrad-Lenkung. © spothits/Renault

Allrad mal anders: Renault Megane und Talisman mit Allrad-Lenkung

Während immer mehr allrad-getriebene Pkw und SUVs auf dem Markt antreten, geriet die Allrad-Lenkung in Anfang diesen Jahrhunderts wieder in Vergessenheit. Das letzte damit ausstattbare Fahrzeug war die Honda Prelude als Coupé, in deren letzte Version die Allrad-Lenkung jedoch nur noch auf Wunsch eingebaut wurde.

Renault Megane und Talisman mit Allrad-Lenkung. © spothits/Renault
Renault Megane und Talisman mit Allrad-Lenkung. © spothits/Renault
Renault Megane und Talisman mit Allrad-Lenkung. © spothits/Heiner Klempp
Renault Megane und Talisman mit Allrad-Lenkung. © spothits/Heiner Klempp
Renault Megane und Talisman mit Allrad-Lenkung. © spothits/Renault
Renault Megane und Talisman mit Allrad-Lenkung. © spothits/Renault
Renault Megane und Talisman mit Allrad-Lenkung. © spothits/Renault
Renault Megane und Talisman mit Allrad-Lenkung. © spothits/Renault

Mehr Sicherheit…

Jetzt gibt es einen neuen Versuch von Renault im eben vorgestellten 2016er Megane sowie im neuen Talisman. Beide können Allrad-Lenkung mit einer Wendekreis-Reduzierung von ca. 40 cm (die Prelude konnte noch ca. 1m, war aber sperrig zu fahren) und helfen damit nicht unbedingt bei Wendemanövern oder im Kreisverkehr, machen das Auto aber insgesamt wendiger und sicherer. Vor allem bei schnellen Spurwechseln oder Ausweichmanövern wirkt sich das positiv auf das Fahrverhalten aus.

Renault Talisman im Test

Während bei Spurwechseln die Hinterradlenkung entgegen der Vorderradlenkung eingesetzt wird, sind die Hinterräder bei Ausweichmanövern parallel gesteuert. Möglich macht das moderne Elektronik, die hier die physikalischen Grenzen der Mechanik überspielt, wirksam wird die gegenläufige Allrad-Lenkung bis 60 km/h, im Sportmodus bis 80 km/h. Bei höheren Geschwindigkeiten sorgt die Parallelschaltung der Allrad-Lenkung für mehr Sicherheit.

Ich habe die Allrad-Lenkung zunächst etwas bedächtig auf dem Flugplatz Mendig ausprobiert; erst Spurwechsel in kurzem Abstand, dann Spurwechsel deutlich schneller in längerem Abstand. Das ging flott, der Talisman klebte jedesmal noch auf der Straße, das Popogefühl meldete: sichere Seite. Schneller ging es dann mit Instruktor Albert Königshausen, den Renault für diese Präsentation engagiert hatte. Der fuhr mit einem speziell mit Kamera und Monitor ausgerüsteten Megane GT ebenfalls zunächst eher behutsam schnell, damit der Lenkeinschlag des Hinterrades vor der Kamera im Monitor sichtbar wurde. Und tatsächlich, da tat sich was an der Hinterachse; das Hinterrad guckte deutlich aus dem Radhaus raus.

Dann – ohne ständigen Blick auf den Monitor, sondern auf die Flugplatz-Piste mit den Pilonen – Spurwechsel. Zunächst flott, der Megane wackelte ein wenig, hob sich aber nicht mal richtig aus den Federn. Danach schneller, aber nicht über 60 km/h; wieder stellten sich die Hinterräder gegenläufig zur Vorderachse aus, wieder ging alles glatt, obwohl das Auto jetzt ein wenig das kurveninnere Vorderrad aus dem Stoßdämpfer hob. Und schließlich auf der langen Geraden ein plötzliches Hindernis simuliert: Mit über 80 km/h auf das Hindernis zu, schnell ausgewichen, kaum Reaktionen in der Karosse. Ohne Allrad-Lenkung wäre das Auto möglicherweise schon über eines der Vorderräder gestolpert, jeweils das kurveninnere bei den schnellen rechts-/links-Lenkradeinschlägen. Tatsächlich, der Sicherheitsgewinn ist spürbar.

Weniger spürbar, aber in engen Parkhaus-Auffahrten eine echte Erleichterung, ist die Allrad-Lenkung im tagtäglichen Normalgebrauch. Auch in den bei Kommunen immer beliebter gewordenen Kreisverkehren (manchmal auch ohne Querstraßenanbindung, aber mit einem Plätzchen in der Mitte, auf dem sich der lokale Kunstschmied verewigen darf) kreiselt es sich mit der Allrad-Lenkung leichtgängiger.

Der Renault Megane GT

Sehr viel deutlicher als beim komfortablen Talisman wird das beim heißen Megane GT mit 205 PS. Der spurtete über die Landstraßen zwischen Rhein und Nürburgring, als wäre er infiziert von dessen Nähe, nahm die Serpentinen der Sträßchen mit einer Selbstverständlichkeit noch superschnell wie auf Schienen, was man sonst eigentlich fast nur noch vom Mini oder dem 1er BMW kennt: Gokart-Gefühl. Das allerdings wird geschmälert von der ansonsten gut funktionierten Doppelkupplungsschaltung, die man mit diesem Ato natürlich mit den Schaltwippen am Lenkrad fahfren muß – Gänge hochschalten ging ganz knackig, runterschalten aber fühlte sich gaaaaanz müde an. Besonders vom dritten in den zweiten Gang vor der nächsten Serpentine. Schaltwippe gezogen, Serpentine angefahren, durchgefahren, dann endlich kam der Schaltvorgang, wenn ich eigentlich schon wieder hochschalten wollte. Das ist nicht nur gewöhnungsbedürftig, sondern gehört abgestellt.

Dennoch: Renault kommt wieder mit funktionellem Design wie beim Talisman, der im Juni auch als Grandtour benannter Kombi kommt, als auch beim neuen Megane, die beide Lust machen auf Autos der Regie National, genauso wie das von Jean-Marie Dumaine vom Restaurant Vieux Sinzig Lust auf mehr solcher leckeren Speisen macht als die, die er persönlich bei der Präsentation kredenzte.

spothits/Heiner Klempp

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