Honda-Motorräder 2015: Neuheiten mit Augenmaß

Honda Crossrunner (li.), Honda VFR (re.). © spothits/Honda
Honda Crossrunner (li.), Honda VFR (re.). © spothits/Honda

Wenn man bereits eine komplette und ausgewogene Motorrad-Modellpalette hat, braucht man keine Neuheiten um jeden Preis. So begnügte sich Honda nach acht neuen Motorrädern und drei Rollern im Vorjahr – spothits berichtete – bei den diesjährigen Motorradtagen für mit vier Motorrädern und einem Roller.

Honda Crossrunner (li.), Honda VFR (re.). © spothits/Honda
Honda Crossrunner (li.), Honda VFR (re.). © spothits/Honda
Honda NM4 Vultus. © spothits/Honda
Honda NM4 Vultus. © spothits/Honda
Honda CB 125 F. © spothits/Honda
Honda CB 125 F. © spothits/Honda
Honda CBR 300 R. © spothits/Friebert Weber
Honda CBR 300 R. © spothits/Friebert Weber
Honda Forza 125. © spothits/Honda
Honda Forza 125. © spothits/Honda
Honda Motorradtage 2015. spothits/Honda
Honda Motorradtage 2015. spothits/Honda
Honda Motorradtage 2015. spothits/Honda
Honda Motorradtage 2015. spothits/Honda

Honda CB 125 F

Einstieg in die Neuheitenpalette und ins Motorradprogramm ist die Honda CB 125 F, ein Leichtkraftrad im Look der großen CB-Modelle. Und nicht nur die Optik, sondern auch das Fahrgefühl erinnert an echte Motorräder. Der kleine Einzylindermotor mit 7,8 kW/10,6 PS läuft dank Ausgleichswelle relativ vibrationsarm, und mit seinen knapp 100 km/h Höchstgeschwindigkeit schafft er locker das „Freischwimmen“ zwischen dynamischen Lkw-Piloten aus der rechten Autobahnspur heraus. Vollgetankt wiegt die CB 125 F, nicht zu verwechseln mit der Vorgängerin CBF 125, gerade mal 128 Kilogramm und entsprechend handlich ist sie beim Langsamfahren, wozu auch der nicht zu schmale Lenker und die großen 18-Zoll-Räder ihren Teil beitragen. Schaltet man die fünf Gänge fleißig durch, bewegt sich das Leichtkraftrad zumindest dann recht leichtfüßig vorwärts, wenn man alleine unterwegs ist. Die Ziffern für die Ganganzeige sind zwar recht klein geraten, aber auch bei direkter Sonneneinstrahlung gut ablesbar. Honda weist stolz auf den dank Benzin-Direkteinspritzung geringen Normverbrauch von 1,95 Litern hin; in der Praxis dürften daraus immer noch bescheidene 2,5 Liter werden, was in Verbindung mit dem 13-Liter-Tank mehr als 500 Kilometer Reichweite erlaubt. Von Augenmaß für das Mögliche in dieser Zielgruppe zeugt der Preis von 2 775 Euro, der der CB 125 F innerhalb der ohnehin derzeit gut laufenden Kleinkraftrad-Welle einen guten Absatz sichern dürfte.

Honda Forza 125

In der gleichen Klasse läuft der neueste 125-ccm-Roller der Japaner. „Forza 125“ ist ein selbstbewusster Name für einen Leicht-Roller, nicht minder selbstbewusst ist der Preis von 4 890 Euro. Dafür wird allerdings allerhand geboten: „Von allem nur das Beste“ bietet dieser Roller laut Prospekt, und es fällt nicht schwer, nach einem Testritt zuzustimmen. Die serienmäßige Start-Stopp-Automatik – im Stand geht der Roller aus und startet sehr reaktionsschnell auf eine Drehung am Gasgriff erneut – ist in dieser Klasse noch ungewöhnlich und hilft beim Spritsparen. 2,3 Liter Normverbrauch, wozu auch hier die Benzin-Direkteinspritzung ihren Teil beisteuert, sind für einen Roller mit 159 Kilogramm Gewicht bemerkenswert wenig. Um die respektable Leistung von 11 kW/15 PS zu erreichen, die auch das erlaubte Maximum für Leichtkrafträder darstellt, muss man den Einzylinder allerdings mit 8 750 Umdrehungen auf dem runden Analog-Drehzahlmesser schnurren lassen. Ordentliche 48 Liter Stauraum reichen für zwei Integralhelme oder reichlich Tagesgepäck, wenn man den Forza 125 für den Berufsverkehr nutzt. Verstellbares Windschild, ABS und moderne LED-Scheinwerfer gehören ebenso mit zur Ausstattung, was den geforderten Kaufpreis wieder relativiert.

Honda CBR 300 R

In Japan hat sich in den letzten Jahren bei den Motorrädern eine 300-ccm-Klasse etabliert, und diese Welle leichgewichtiger Sportler schwappt nun auch nach Europa. Honda hat hier mit der CBR 300 R ein heißes Eisen im Feuer, das aus einem Einzylinder-Direkteinspritzmotor 23 kW/31 PS schöpft. Die Leistungsangabe klingt zunächst nicht aufregend, doch ist der – im mittleren Drehzahlbereich nicht besonders vibrationsarme – Motor vor allem zwischen 6 000 und 8 500 Touren in seinem Element. Sechs Gänge, allerdings ohne Ganganzeige, sind gut auf die Leistungs-Charakteristik abgestimmt, und das Fahrwerk mit Pro-Link-Hinterradaufhängung, ABS und 17 Zoll großen Rädern passt zum Auftritt in der sportlichen CBR-Optik. Vollgetankt bringt die CBR 300 lediglich 164 Kilogramm auf die Waage, und der Preis von 5 055 Euro ist sehr konkurrenzfähig.

Honda VFR 800 X

Vor vier Jahren kam die Honda VFR 800 X Crossrunner auf den Markt, und jetzt gibt es ein Facelift. Die Leistung des V4-Triebwerks stieg von 75 kW/102 PS auf 78 kW/106 PS, und bei der Frage, ob Offroad- oder Reisemotorrad, zieht sich Honda mit der Definition „Sport-Adventure-Bike“ aus der Affäre. Man sitzt hinter der Windschutzscheibe relativ aufrecht, hat jedoch in den Kurven durchaus das Gefühl, mit der Maschine zu verwachsen und die 242-Kilo-Maschine locker zu beherrschen. Der auch aus dem Sport-Tourer VFR 800 F bekannte, laufruhige und kultivierte 90-Grad-Vierzylinder dreht mühelos in den Bereich zwischen 8 500 und 10 250 Umdrehungen, wo maximales Drehmoment (75 Nm) und Höchstleistung anliegen. Das überarbeitete Fahrwerk mit etwas längeren Federwegen flößt in schnellen Abschnitten wie auch auf holprigen Landstraßen viel Vertrauen ein, und die Bremsen mit serienmäßigem ABS beißen kräftig zu. Eine in zwei Stufen einstellbare Traktionskontrolle ist serienmäßig mit an Bord, ebenso gehören die Sitzbank-Höhenverstellung, LED-Beleuchtung, Heizgriffe und selbstrückstellende Blinker zur Serienausstattung der für 12 490 Euro angebotenen VFR 800 X Crossrunner.

Honda NM4 Vultus

Bereits im vergangenen Jahr präsentiert, nun endlich lieferbar und insofern auch neu ist die NM4 Vultus. Das zweirädrige Batmobil, hervorgegangen aus der Arbeit einer Gruppe junger Entwickler, lässt jede Harley-Davidson Night Rod (ein mitfühlendes „Sorry“ von hier aus nach Milwaukee) blass und konventionell aussehen. Den Preis von 11 755 Euro registriert man mit gemischten Gefühlen. Einerseits ist dies angesichts des Show-Effekts der Vultus fast ein Spottpreis – mehr Aufsehen pro Euro kann man derzeit mit kaum einer Maschine erreichen. Andererseits fordert Honda mehr als 3 000 Euro mehr, als die NC 750 Integra kostet, mit der sich die NM4 Vultus die Technik teilt. Letzteres bedeutet: durchzugsstarker 2-Zylinder-Reihenmotor, 40 kW/55 PS, Doppelkupplungsgetriebe (DCT), Leichtmetall-Hinterradschwinge und tiefer Schwerpunkt. Die Vultus erhielt ein größeres Vorderrad (18 statt 17 Zoll) und einen sehr tiefen Sitz mit gerade mal 650 Millimeter Sitzhöhe und einen statt 14,1 nur 11,6 Liter fassenden Tank – was dem Fahrer die Möglichkeit gibt, häufiger Tankstellen anzulaufen und dort für einen Menschenauflauf zu sorgen. 168 km/h Spitze sind zum Cruisen mehr als ausreichend, und wer solo fährt, kann die flache Sozius-Bank zur Rückenlehne aufstellen. Auch sonst ist die Ausstattung üppig: natürlich gehört ABS dazu, dazu eine zielgruppengerechte Variationsmöglichkeit der digitalen Instrumenteneinheit mit 25 Beleuchtungs-Farbtönen.

Das DCT ist auf dem Vormarsch

Nach wie vor ein wichtiges Thema ist bei Honda das DCT. Das Doppel-Kupplungsgetriebe, fälschlich häufig als Automatik-Getriebe bezeichnet, wird von Honda sehr aktiv missioniert. Tatsächlich überzeugen seine Vorzüge wie ruckfreies Schalten, nervenschonendes und entspanntes Fahren in der Stadt oder im Stau und geschmeidigeres Beschleunigen auf Anhieb bereits nach kurzer Testfahrt. Seit 2010 hat Honda bereits 5 000 Maschinen mit DCT in Deutschland abgesetzt. Drei Modelle (CTX 700, NC 750 Integra und NM4 Vultus) verfügen derzeit serienmäßig über DCT, vier weitere Modelle sind gegen Aufpreis mit Doppelkupplungs-Technik lieferbar.

spothits/Friedbert Weber

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