Letzter „Geburtstag“ des Land Rover Defender: Rente mit 67

Letzter „Geburtstag“ des Land Rover Defender: Rente mit 67. © spothits/Auto-Medienportal.Net/Land Rover
Letzter „Geburtstag“ des Land Rover Defender: Rente mit 67. © spothits/Auto-Medienportal.Net/Land Rover

Aus, aus! Vorbei! Die eingefleischte Fangemeinde des Land Rover Defender weiß es schon und ringt immer noch um Fassung. Der britische Allradspezialist stellt die Produktion des Urgesteins zum Ende des Jahres unwiderruflich ein.

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Das Ende einer der längsten Modellgeschichten

5111 Einheiten einer Abschiedsedition sollen den Anhängern des Land Rovers den Abschied versüßen. Sie werden sich das Vergnügen bis zu 64 000 Euro kosten lassen müssen. Eine der längsten Modellgeschichten aller Zeiten ist im Preis sozusagen serienmäßig inbegriffen.

Der „Land Rover“, so die erste offizielle Bezeichnung feierte am 30. April 1948 seine offizielle Premiere. Was das da im Rahmen der „Amsterdam Motorshow“ ins Licht der Öffentlichkeit rollte, war ein typisches Produkt des gerade drei Jahre zurückliegenden Weltkrieges: Ein auf reinen Nutzwert reduziertes Fahrzeug: spartanisch ausgestattet, gefertigt aus Materialresten einer Mangelwirtschaft, die das Konzept für dieses Auto pragmatisch formuliert hatte, eine Kombination von Personenwagen und allradgetriebenem Schlepper für Landwirtschaft und Gewerbe.

Doch damit war die Mission des Land Rover nicht abgeschlossen. Er sollte mehr leisten, als Landwirten und Gewerbetreibenden Arbeit und Fortbewegung zu erleichtern. Mindestens genauso wichtig war der Auftrag, als Exportschlager der durch den Krieg ruinierten englischen Wirtschaft Devisen zu beschaffen.

Radikal neu war nicht nur das Konzept, auch bei Entwicklung und Ausführung ging der Hersteller ganz neue Wege. Der Land Rover war beispielswiese das erste Auto mit einer Karosserie aus Leichtmetall. Freilich nicht, um als frühes Beispiel fortschrittlichen ökologischen Fahrzeugbaus eine spritsparende Leichtbauweise zu postulieren, sondern aus purer Not.

Das Duraluminium, das Rover für den „Landy“ verwendete, stand in der obsolet gewordenen Flugzeugindustrie und angesichts Zehntausender ausrangierter Kampfflugzeuge im Überfluss zur Verfügung. Ganz im Gegensatz zu Stahl, bei dem ein eklatanter Mangel herrschte. Und schließlich knüpfte die Belegschaft von Rover die Hoffnung an das Auto, endlich etwas Zukunftsträchtiges für die zivile Nutzung fertigen zu können. Rüstungsaufträge waren komplett gestrichen.

Die Verantwortlichen rechneten sich gute Marktchancen für ihr neues Produkt aus. Hunderttausende von englischen Soldaten hatten im Krieg beste Erfahrungen mit dem Jeep der amerikanischen Verbündeten gemacht – eine Zielgruppe, die quasi „reif“ für den Land Rover war. Trotz optimistisch beurteilter Marktchancen blieben die Ambitionen bei Rover bescheiden. Geplant war eine etwa dreijährige Produktionszeit mit maximal 200 Einheiten pro Woche.

Das technische Konzept des Jeep gab keinen Anlass, große Veränderungen vorzunehmen. Maurice Wilks, bei Rover für das Design verantwortlich, zog sich mit einem kleinen Team auf seinem Bauernhof zurück. Als Inspirationsquelle diente ein ausrangierter Willys. Für den Antrieb erhielt der tranchierte Jeep einen hauseigenen Vierzylinder. Die Karosserie bildete eine Sammlung einfacher, frei von Rundungen geformter Tafeln aus Leichtmetall. Das puristische Design sollte eine Fertigung ohne aufwendige Presswerkzeuge für Karosseriebleche ermöglichen. Um die Entwicklung von zwei verschiedenen Versionen mit Links- und Rechtslenkung zu sparen, platzierten die Entwickler Fahrersitz und Lenkrad in der Mitte.

Ein Sonderfahrzeug für den Einsatz in Landwirtschaft und Industrie, wird in der Größenordnung von 200 Exemplaren pro Woche bei der Rover Company in Birmingham entstehen. Der so genannte Land-Rover zeigt eine große Ähnlichkeit mit dem Jeep und soll sich auf der Straße wie im Gelände gleichermaßen wohl fühlen.“ Mit diesen Worten kündete die „Times“ 1948 den Land Rover an. Die Reaktionen des Publikums überrollten die Erwartungen des Managements förmlich. Bereits 1948 entstanden 3048 Exemplare, 1949 waren es schon mehr als 8000. 1950 hatte sich die Produktion auf über 16 000 Autos verdoppelt.

Der Erfolg

Der Erfolg basierte nicht zuletzt auf einer flexiblen Reaktion auf Anforderungen des Markts. Den puristischen Charakter des offenen Urmodells ergänzten schnell marktgerechte Aufbauten mit einem textilen Verdeck und später mit einer geschlossenen Karosserie. Mechanische Zuverlässigkeit und die korrosionsresistente Leichtmetallkarosserie taten ein Übriges, den Ruf des Range Rovers in die Welt zu tragen. Chassis mit unterschiedlichen Radständen und Aufbauvarianten bis zum Pickup verbreiterten das Angebot.

Der Land Rover lief so gut, dass die Planung einer dreijährigen Produktionszeit schnell in der Schublade verschwanden. 1958 folgte eine gründlich überarbeitete zweite Generation. Im Bewusstsein aller Deutschen ab sechs Jahren erlangte der Land Rover ab 1966 Unsterblichkeit, als er in der samstagnachmittags im Zweiten Deutschen Fernsehen ausgestrahlten Fernsehserie „Daktari“ die automobile Hauptrolle als unverwüstliches Transportmittels eines Urwalddoktors übernommen hatte.
1971 folgte die dritte Modellgeneration. Land Rover verzichtete in Kenntnis um den Kultcharakter, den das Auto inzwischen erlangt hatte, auf deutlich erkennbare Modifikationen des Designs. Das galt auch für den 1983 eingeführten Nachfolger mit der Bezeichnung „Defender“.

Unter diesem Namen wird der Allradler Ende des Jahres auch in den verdienten Ruhestand gehen. Das technische Konzept musste sich angesichts der Hürden zeitgemäßer Anforderungen an ‚Insassen- und Fußgängerschutz geschlagen geben. Wie am ersten Tag nieten die Mitarbeiter Leichtmetall-Planken auf einen Leiterrahmen. Bereits 2011, auf der Frankfurter IAA, kündigte Land Rover für 2015 den Nachfolger des Defenders an und verstörte die eingeschworene Fangemeinde mit einer Studie, die zu viel vom Charakter des Idols vermissen ließ.

Kult und Mythos

Kult und Mythos des Land Rover resultieren auf seinem weltweiten Erfolg als unverwüstliches Transportmittel, das sich auch dort noch einen Weg bahnt, wo die meisten anderen Pkw passen müssen. Der „Landy“, wie ihn seine Fans liebevoll bezeichnen, dient noch immer in 130 Ländern dieser Erde. Gleichermaßen für Hilfsorganisationen wie für Armeen. Laut Hersteller sind etwa 75 Prozent aller mehr zwei Millionen gebauten Autos noch immer fahrfähig. Dass die Liebe nicht rostet, unterstreicht nicht nur die Leichtmetallkarosserie sondern die Bereitschaft des Herstellers, unverändert das Gros der Ersatzteile für alle Generationen bereit zu stellen.

Rente mit 67

Für viele bundesdeutsche Sozialpolitiker geht damit ein Traum in Erfüllung. Für den Defender eine fast einmalige Laufbahn. Allerdings nur fast. Für den Morgan ist der „Landy“ quasi ein junger Hüpfer. Der puristische Roadster und Landsmann des Land Rover geht über die Jahrzehnte immer nur geringfügig optimiert seit 1936 an den Start.

sph/ampnet/tl

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