IAA 2015: Erster Borgward soll ein SUV werden

IAA 2015: Erster Borgward soll ein SUV werden. © spothits/Auto-Medienportal.Net/Bordward
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Borgward – ein klangvoller Name aus den Wirtschaftswunderzeiten der jungen Bundesrepublik steht weiter vor seiner Wiederbelebung. Zusammen mit dem chinesischen Fahrzeughersteller Beiqi Foton als Geldgeber macht sich Christian Borgward, Enkel des 1963 verstorbenen Bremer Autobauers Carl F.W. Borgward an den Neuanfang der Marke.

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Ein Borgward-SUV

Jetzt verbreitete das Unternehmen ein paar gut getarnte Bilder, die gespannt darauf machen sollen, was es auf der kommenden IAA in Frankfurt zeigen will: einen Borgward-SUV.

Carl Friedrich Wilhelm Borgward (1890–1963) galt zu seiner Zeit gleichermaßen als genialer Ingenieur wie als beratungsresistenter Sturkopf. Was allerdings zu Beginn der 1960er Jahre tatsächlich zur Pleite des Autounternehmens führte, das seinen Namen trug, ist bis heute ungeklärt. War es die Titelgeschichte “Der Bastler”, die kurz vor Weihnachten 1960 im Spiegel erschien? War es der spätere Aufsichtsratsvorsitzende Johannes Semmler, der zur gleichen Zeit in einer solchen Funktion als Sanierer von BMW in München arbeitete und bei dem alleine deshalb von Neutralität keine Rede sein konnte? Immerhin strich er nach einem Jahr das für damalige Verhältnisse exorbitante Honorar von 250 000 Mark ein. Oder waren es die allzu große Typenvielfalt – Borgward stellte ähnlich viele verschiedene Automodelle her wie Daimler-Benz zusammen mit der übernommenen Auto Union – , unrationelle Produktionsmethoden oder Schwierigkeiten beim Export?

Fest steht, dass Patriarch Borgward kurz vor Weihnachten 1960 bei Banken einen Kredit über 30 Millionen Mark beantragte, der in drei Monatsraten zu jeweils zehn Millionen Mark ausgezahlt werden und für den der Bremer Senat bürgen sollte. Einen Monat später zog dieser seine Bürgschaftserklärung über die letzten zehn Millionen DM der Kreditsumme wieder zurück, und die Banken gaben für Februar 1961 keine Gelder mehr frei. Danach ging es bergab: Vergleichsverfahren, Anschlusskonkurs, Verscherbelung des Betriebsvermögens. Viel später stellte sich heraus, dass die Insolvenz überhaupt nicht erforderlich gewesen wäre. Die Schulden bei den Gläubigern wurden ebenso restlos bezahlt wie die Kredite bei den Banken. Undurchsichtig ist und bleibt die Rolle, die der Bremer Senat bei der ganzen Tragödie spielte.

Nach 54 Jahrenwieder auf dem Genfer Automobilsalon

Erstmals nach 54 Jahren Abstinenz zeigte sich das Unternehmen im vergangenen Frühjahr wieder auf dem Genfer Automobilsalon – allerdings nur mit einem Oldtimer. Jetzt präsentierte Borgward-Enkel Christian (“Ich habe meinen Großvater leider nie persönlich kennengelernt”) erste, freilich gut getarnte Fotos eines Geländewagens, der auf der Internationalen Automobil Ausstellung in Frankfurt Premiere feiern soll. Einzelheiten wurden zwar nicht genannt, doch steht zu vermuten, dass der SUV als Allradler neben Benzin- und Dieselmotor auch über einen Plug-in-Antrieb verfügen wird, den Borgward zusammen mit Foton entwickelte. Produziert werden soll ausschließlich in China, Konstruktion und Design bleiben in Deutschland. Statt wie einst in Bremen befindet sich die Zentrale des wiederbelebten Borgward-Unternehmens im Büroneubau City Gate an der Kriegsbergstraße in Stuttgart. Doch soll das Auto zunächst nur in China auf den Markt kommen, erst später auch in anderen Ländern.

“Ich bin überzeugt, dass Borgward seinen Platz auf dem internationalen Automobilmarkt zurückgewinnen wird”, sagt Ulrich Walker, Ex-Daimler-Manager und jetzt Borgward-Vorstandsvorsitzender. Kritiker sehen das anders, was zunächst am Background der beiden Firmengründer Christian Borgward und Karlheinz Knöss liegen könnte. Borgward hat sich bislang lediglich als Getränkehändler in Wolfsburg profiliert, Knöss als gelernter Philologe nach nur zwei Jahren Tätigkeit in der Daimler-Pressearbeit als freier Medienberater.

Doch noch skeptischer machen die hochfliegenden Pläne der beiden. Danach soll der Aufbau explosionsartig verlaufen. Bis 2020 sollen weltweit schon 800 000 Autos verkauft werden, bis 2025 doppelt so viele. Zugleich sollen bis 2020 jedes Jahr zwei neue Modelle auf den Markt kommen. „Ich bin bass erstaunt über diese vollmundigen Ankündigungen“, meinte der Berater Ralf Kalmbach, der beim Beratungsunternehmen A.T. Kearney weltweit für die Autobranche zuständig ist, gegenüber der “Stuttgarter Zeitung”. “Da passt gar nichts zusammen.”

Nichtsdestotrotz ist Borgward schon heute als möglicher Trikotsponsor des 1. FC Kaiserslautern im Gespräch. Doch ob sein SUV einmal die gleiche Auszeichnung bekommen wird wie einst der legendäre Borgward PT 100? Das letzte Exemplar, das nach der Pleite in Bremen von Band lief trug ein Schild auf der Nase mit der Inschrift: “Du warst zu gut für diese Welt.”

sph/ampnet/hrr

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