Lissabon und ganz Portugal nicht ohne Vis-á-Vis

historische Straßenbahnen in Lissabon - die rote ist die Sightseeing-Bah... © spothits/Heiner Klempp
historische Straßenbahnen in Lissabon - die rote ist die Sightseeing-Bah... © spothits/Heiner Klempp

Lissabon und ganz Portugal nicht ohne Vis-á-Vis

Wenn einer eine Reise tut… dann sollte er vorher möglichst viel über das Reiseziel lesen. Vis-à-Vis von Dorling Kindersley (die mit dem aufgeschlagenen Buch als Logo und darin D und K jeweils auf einer Seite) leistet das in seinen Büchern.

historische Straßenbahnen in Lissabon - die rote ist die Sightseeing-Bah... © spothits/Heiner Klempp
Historische Straßenbahnen in Lissabon – die rote ist die Sightseeing-Bah… © spothits/Heiner Klempp

Allein über Lissabon weiß die neueste, 12. Auflage von 2015/16 auf über 190 Seiten Informationen zu jedem Stadtteil; 3-D-Zeichnungen zu interessanten Anlagen, Gebäuden oder Denkmälern, dazu Grundrisse berühmter Bauten und Ensembles, über 400 Farbfotos und Tipps auf fast jeder Seite.

Wer seinen Lissabon-Aufenthalt nach diesem Büchlein plant, wird schon am zweiten Tag feststellen, daß die Reise drei oder viermal länger hätte dauern müssen, um erst mal einen Überblick über die Millionenstadt zu bekommen. Wir haben mitten in der Baixa gewohnt, in der Altstadt, die nach dem Erdbeben 1755 komplett neu und streng geometrisch wiederaufgebaut wurde nach damals neuesten Erkenntnissen von Statik und Feuerschutz. Das hatte der Herr Pombal zu verantworten, der später für seine Verdienste um den Wiederaufbau Lissabons zum Marquise geadelt wurde und heute vom zentralen Rondell zwischen der Avenida da Liberdade und dem Parque Eduardo VII. auf dem nach ihm benannten Praça Marques de Pombal steinern heruntergrüßt. Imposant wie viele dieser über die ganze Stadt verstreut auffindbare Statuen und Monumente.

historische Straßenbahnen in die Pflasterflut am Rossio. © spothits/Heiner Klempp
Historische Straßenbahnen in die Pflasterflut am Rossio. © spothits/Heiner Klempp
Der Marquise de Pombal an der Avenida da Liberdade
Der Marquise de Pombal an der Avenida da Liberdade
Augustator mit König Jose 1 dahinter. © spothits/Heiner Klempp
Augustator mit König Jose 1 dahinter. © spothits/Heiner Klempp

Fast in der Blickachse des Marques z.B. schon das nächste Monument auf dem Praça dos Restauradores, gleich dahinter auf dem „Rossio“ genannten Praça Dom Pedro IV wieder eine Statue in der Mitte des Platzes und ein paar Schritte weiter ostwärts auf dem Praça da Figueira flaniert man wochenends über einen Bauernmarkt rund um die Statue von João I. Ganz unten am Ende der Achse, die durch die Avenida da Liberdade und im Anschluß die Rua Augusta gebildet wird, auf dem riesigen Praça do Comércio, der im Volksmund immer noch der „Schloßplatz“ ist, eine weitere imposante Reiterstatue mit König José I hoch zu Roß. Der allerdings hat wenig damit zu tun, daß der Platz heute noch Terreiro do Paço, also übersetzt „Platz des Schlosses“ genannt wird. Das Schloß nämlich hatte bereits drei Jahrhunderte früher Manuel I bauen lassen, um die Königsresidenz vom Castelo an den Tejo verlegen zu können.

Nach dem Erdbeben von 1755, das Pombal dazu nutzte, die Baixa modern aufzubauen, wurde das Schloß ebenfalls unter der Regie des damals wohl berühmtesten Baumeisters neu aufgebaut in Form eines Dreiseiten-Baus (der allerdings nichts mit einem deutschen bäuerlichen Dreiseithof zu tun hat, sondern zehnmal oder noch mehr größer konzipiert wurde).

Zum Strom hin offen bildet der Palast ein Hufeisen, das am Scheitel von einem imposanten steinernen Tor, dem Arco da Rua Augusta, geteilt wird. Auf den Torbogen kann man hinaufsteigen – oder bequemer mit dem Aufzug hochfahren (so hoch ist das) – und von oben einen phantastischen Ausblick auf den Terreiro da Paço und den Tejo in die eine Richtung, und auf den Rossio und den Restauradores in die andere Richtung blicken. Oben auf dem Augusta-Tor erkennt man deutlich die Größe des Schloßplatzes, der – als einer der größten Plätze Europas – bis vor weniger als einem Dutzend Jahren profan als Parkplatz genutzt wurde.

Am anderen Ende der Sichtachse, dem „Restauradores“ liegt der Bahnhof am Praça – ein Jugendstilbauwerk par excellence – der direkt mit den unterirdischen Hallen der Metrostation gleichen Namens verbunden ist. Auch der Rossio-Platz hat seine Besonderheit: Das portugiesische Kopfsteinpflaster ist so verlegt, daß das Muster als Seegang erscheint, das zuweilen sogar seekrank macht.

Zwischen Rossio und Arco Da Rua Augusta liegt eines der berühmtesten Bauwerke Lissabons, der Elevador de Santa Justa. Mit dem kommt man von der Baixa über sieben Stockwerke hinweg hinauf auf die Plattform, von der ein Steg in die Bairro Alto, die Oberstadt also, führt. Noch ein Stock höher als der Ausstieg auf den Steg gibt’s eine Aussichtsplattform, die zur Zeit unseres Besuches allerdings wenig spektakulär wie der ganze Aufzug mit einem Baugerüst und Schutzplanen verhüllt war.

Das stand nun eben logischerweise nicht bei Dorling Kindersley, machte aber nichts, wir haben den Fahrstuhl dennoch genutzt und sind gleich weiter gelaufen ins Zentrum der Oberstadt mit ihren Läden von SchickiMicki bis alteingesessen und den Cafés sowie den nicht aus Lissabon wegzudenkenden Fado-Bars. Ich habe in der Bairro Alto einen wunderschönen alten Kerzenladen entdeckt, mit Einbauten und Tresen ganz in Jugendstil oder dem auch in Lissabon allgegenwärtigen Art-Deco, was hier oft zusammen verschmilzt.

Terreiro da Paço mit Arco da Rua Augusta. © spothits/Heiner Klempp
Terreiro da Paço mit Arco da Rua Augusta. © spothits/Heiner Klempp

Natürlich muß man in Lissabon Sightseeing-Touren machen, sonst kann man gar nicht alles finden, was geboten wird. Und auch da war das Büchlein aus der Vis-à-Vis-Reihe super hilfreich, auch wenn die Damen und Herren virtuellen Reiseführer, die bei den Touren ins Ohr gesteckt werden konnten, unendlich viele Zusatzinformationen gaben. Aber ohne Dorling Kindersley hätte man das ja bald wieder vergessen und konnte so jederzeit nachlesen.

Zum Beispiel bei einem Caffé im Mercado do Ribeiro, einer Markthalle an einer der Molen am Tejo nicht weit weg vom Schlossplatz. Den Mercado gibt es alltäglich für Obst, Gemüse, Fleisch und Fisch bis in den späten Vormittag hinein in der Nebenhalle, dann öffnet sich unter dem Gewölbe der eigentlichen Markthalle ein Gastronomie-Zentrum der besonderen Art.

In den Arkaden rund um die riesige Markthalle wurden Nischen eingebaut für die besten Köche, Restaurants, Cafés, Weinverkäufer und Nasch-Ecken Lissabons. In der Halle selbst endlos lange Tische, zum Teil mit niedrigen Stühlen zum drauf sitzen, größtenteils aber mit hohen Barhockern und -tischen. Man sucht sich den Koch/die Küche seiner Wahl, bestellt aus den an Wandtafeln gezeigten Gerichten, was man essen und trinken will, bezahlt und bekommt ein elektronisches Täfelchen, das die Fertigstellung der Bestellung signalisiert. So kann man mehrere Gänge verspeisen, immer von einem anderen Koch oder einer Restaurantfiliale, die hier im Mercado Do Ribeiro vertreten ist.

Und es sind alle Sterneköche Lissabons vertreten, alle Top-Restaurants, aber auch besondere Leckereien und Lissaboner Spezies, die es eben nur hier gibt. Man kann Tage im Mercado verbringen, ohne auch nur irgendeinmal ein Gericht zweimal essen zu müssen. Wir haben allerdings verschiedene Gericht mehrfach gegessen, allein, weil sie so gut waren. Salat vom Oktopus z.B. Bacalhao, den man unbedingt probieren muß oder auch kross gebratenen Schweinebau mit Erbsenpüree und gebratenem Pak Choi. Lecker. Und anschließend beim Café wieder in Vis-á-Vis geguckt, was es noch alles in Lissabon zu sehen, zu erleben oder zu verspeisen gibt.

Ohne das Verdienst der Dorling Kindersley Reisebuch-Reihe zu schmälern: Im Internet gibt’s einige gute deutsche Reisetipp-blogs, von Portugiesen, die in Deutschland leben oder Deutschen, deren Zweitheimat Lissabon geworden ist. Sie steuern unendlich viele Informationen und Tipps für den Besuch in Lissabon bei. Und sind jederzeit zu erreichen, denn in Lissabon gibt es jede Menge Cafés und Restaurants mit kostenlosem WLan.

Dennoch bleibt im Gedächtnis: Lissabon ist eine, viele Reisen wert. Man kann in einer Woche oder zehn Tagen gar nicht alles suchen, finden und sehen, was im Reiseführer steht. Und ohne Vis-à-Vis Lissabon von D&K hätten wir uns zwar nicht gelangweilt, wären aber auch nicht so ausführlich informiert und erfüllt mit neuen Eindrücken einer alten Hafenstadt wieder heimgereist.

Gleiches gilt für den Reiseführer über das gesamte Portugal. Ausgehend von der Informationsfülle im Lissabon-Führer muß man aber für den Portugal-Führer sicher noch viel mehr Zeit einplanen als nur einen Urlaub. Wir werden uns im nächsten Urlaub mit dem Portugal-Reiseführer auf den Weg machen an die Algarve. Und das übernächste Mal wahrscheinlich nach Porto. Und, und, und…. Alles dank Vis-à-Vis.

spothits/Heiner Klempp

Vis-à-Vis Lissabon

192 Seiten mit Klappenbroschur und 3D-Zeichnungen, Grundrissen, Mini-Kochbuch für die Lissaboner Spezialitäten sowie einer Stadtkarte zum Herausnehmen.

12., aktualisierte Neuauflage 2015/2016 vom Dorling Kindersley Verlag GmbH, München, www.dorlingkindersley.de
ISBN 978-3-7342-0079-3, 19,99 €

Vis-à-Vis Portugal

480 Seiten mit Klappenbroschur und 3D-Zeichnungen, Grundrissen, Mini-Kochbuch für die Lissaboner Spezialitäten sowie einer Straßenkarte zum Ausklappen. Mit zahllosen Reisetipps, praktischen Hinweisen und landesspezifischen Grundinformationen.

13., aktualisierte Neuauflage 2014/2015 vom Dorling Kindersley Verlag GmbH, München, www.dorlingkindersley.de
ISBN 978-3-7342-0036-6, 24,99 €

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