Berthelsmann Studie: Familie und Kinder erhöhen Armutsrisiko

Eltern bedienen zwei Generationenverträge. © spothits/Berthelsmann Stiftung
Eltern bedienen zwei Generationenverträge. © spothits/Berthelsmann Stiftung

Die aktuelle Studie der Berthelsmann Stiftung rechnet vor, dass ein heute 13-jähriger bis zu seinem Renteneintritt 77.000 Euro mehr in die Rentenkasse einzahlt, als er am Ende als Rente herausbekommt. Zudem werden noch die Eltern abgestraft, deren Erziehungsleistung im jetzigen Rentensystem kaum berücksichtigt wird. So führt Kindererziehung weder zu mehr Rente, noch werden Familien durch geringere Beiträge während der aktiven Kindererziehungsphase finanziell entlastet. Stattdessen sind finanzielle Engpässe und erhöhtes Armutsrisiko die Realität. Ein gerechteres Rentensystem ließe sich über ein Drei-Stufen-Modell, bestehend aus Basis-, Kinder- und Sparrente, finanzieren, so der Leiter der Berthelsmann-Studie »Familien in der gesetzlichen Rentenversicherung«, Prof. Dr. Martin Werding, von der Ruhr-Universität Bochum.

Eltern bedienen zwei Generationenverträge. © spothits/Berthelsmann Stiftung
Eltern bedienen zwei Generationenverträge. © spothits/Berthelsmann Stiftung

Anders, als von der Politik verkauft

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In Deutschland gibt es 156 ehe- und familienbezogene Leistungen. Wer nun aber annimmt, dass damit optimale Familienförderung umgesetzt wird, täuscht sich. Vielmehr legt die Studie offen, dass hierzulande »Familienpolitik mit negativen Vorzeichen« betrieben wird. So werden Leistungen von Müttern und Vätern vom System nicht angemessen honoriert, und das, obgleich Familien mit Kindern das System am Leben halten. Am Ende ist die Rente kinderloser höher, als die der Mütter und Väter, die eine Familie gründeten und Kinder groß zogen.

Zwei-Generationen-Vertrag

Dabei sind es gerade Mütter und Väter, die den Zwei-Generationen-Vertrag überhaupt ermöglichen. Zum einen finanzieren sie die Rente der jetzigen Rentnergeneration mit ihren Beiträgen, zum anderen erziehen sie die zukünftigen Beitragszahler. Dennoch sind Mütter und Väter schlechter gestellt, da bei der Rentenhöhe nur das Einkommen eine Rolle spielt. Kindererziehung ist kein Thema. Daran ändert auch die Mütterrente nichts. Zudem führt die systematische Benachteiligung zu finanziellen Engpässen und erhöht das Armutsrisiko von Familien.

Familien zahlen bei der Rente drauf. © spothits/Berthelsmann Stiftung
Familien zahlen bei der Rente drauf. © spothits/Berthelsmann Stiftung

Entlastungen für Familien lange überfällig

Drei Forderungen sorgen für Entlastungen in den Familien: Als erstes müssten die Leistungen der Familien stärker anerkannt werden. Zum zweiten gelte es, die Familien in der aktiven Erziehungsphase finanziell zu entlasten, und zum dritten muss die Familienzeit als Erwerbszeit gelten und bei der späteren Rente anerkannt werden.

Reformiertes Rentensystem

Auf Dauer ist das derzeitige Rentensystem nicht tragfähig. So sorgt die Alterung der Gesellschaft für steigende Rentenbeiträge in den kommende Jahren – ein unumkehrbarer Prozess. Reformen des Rentensystems und eine neue »Kinderrente« sind ein gangbarer Weg, die Belastungen innerhalb der Gesellschaft fair zu verteilen. Dabei steht das Rentensystem auf den drei Säulen Basis-, Kinder- und Sparrente.

Basisrente, Kinderrente, Sparrente

Als Basissicherung wird die umlagefinanzierte Basisrente gezahlt. Sie wird auf dem jetzigen Niveau eingefroren. Damit werden die heutigen Kinder später geringere Beträge zahlen.

Hinzu kommt die ebenfalls umlagefinanzierte Kinderrente. Hier richtet sich die Höhe der Rente nach der Zahl der Kinder. Finanziert wird sie über Beiträge und Steuern. Hiervon profitieren insbesondere Eltern mit drei und mehr Kindern, da sich die Kinderrente unabhängig von der abnehmenden Zahl der Beitragszahler errechnet, die das Rentenniveau insgesamt absenken wird. Zudem müssen die Eltern keine kapitalgedeckte Zusatzrente abschließen, bei der sie Beiträge als Vermögen ansparen und am Ende ihre Einlage plus Zinsen ausgezahlt bekommen.

2030 endet das demografische Zwischenhoch. © spothits/Berthelsmann Stiftung
2030 endet das demografische Zwischenhoch. © spothits/Berthelsmann Stiftung

Der dritte Baustein ist die Sparrente. Sie ergänzt die niedrige Basisrente. Die Beitragshöhe ist gestaffelt nach Kinderlosen und Familien mit einem oder zwei Kindern. Für Eltern verringert sich die Beitragshöhe mit jedem Kind um jeweils ein Drittel des Beitragssatzes, wobei das »frei werdende Geld« den Familien in der aktiven Erziehungsphase direkt zur Verfügung steht. Familien mit drei und mehr Kindern zahlen keine Sparrente. Bei ihnen greift die Kinderrente. Sobald ein Kind sein 18. Lebensjahr erreicht hat, werden die Beitragssätze der Familie wieder an die Kinderloser angepasst.

Geld, wo es gebraucht wird…

Mit diesem dreiteiligen System würden Familien finanziell entlastet, wobei die stärksten Effekte in Familien mit geringeren Einkommen zu verzeichnen wären.

+++++Mehr zum Thema: Desaströse Familienpolitik in Deutschland+++++

sph/koe

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