Test BMW Gran Coupé 650i: Eleganter Viertürer mit Volldampf

Test BMW Gran Coupé 650i. © spothits/BMW
Test BMW Gran Coupé 650i. © spothits/BMW

Es ist ungefähr zwei-, dreiundvierzig Jahre her, daß ich das inzwischen legendäre BMW Coupé 3500 CSI gefahren habe. Damals in Zeiten der ersten Ölkrise, hätte man sich am besten nicht gezeigt mit einem solchen Testwagen, der eigentlich nur auf die Rennstrecke gehörte. 

Test BMW Grand Coupé 650i. © spothits/BMW
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Wer hätte es denn gewußt, daß man als Redakteur einer Motorsportzeitschrift darin arbeitet und nicht den Großmann spielt. Trotzdem kostete Superbenzin (Michael-Schumacher-Super gab’s damals noch nicht) knapp 70 Pfennige der Liter, auch wenn die Regierung verkündete, daß Benzin gerade knapp sei und autofreie Sonntage verordnete. Man schaute als nicht so sehr auf den Verbrauch, sondern freute sich über die Urgewalt, die das schnittige Coupé davonkatapultierte. Harald Ertl, der damals für Alpina fuhr und außerdem zu der Zeit ein Volontariat zum Motorjournalisten absolvierte, machte es möglich, daß wir so eine Rakete fahren konnten.

Ich erinnerte das jedesmal, wenn ich in das Gran Coupé 650i einstieg. War ich damals von den Beschleunigungswerten begeistert, die heute eher Stirnrunzeln verursachen, ist es heute das gewaltige Drehmoment des TwinPower Turbos, der zwischen 2000 und 4500 U/min lockere 650 Newtonmeter stemmt. Hubraum und Hinterachsantrieb ist eben doch alles. Zumal jene Unarten, die das 3500 CSI-Coupé noch gerne und unerwartet produzierte, dank allerlei elektronischer Helferlein inzwischen ja nicht mehr auftreten. Es sei denn, man schaltet sie aus zum Querfahren. Aber dann hätte der Tankwart ja die Windschutzscheiben nicht reinigen müssen, sondern die Seitenscheiben, wie Mike Mehlin, früherer und leider viel zu früh verstorbener Testfahrer bei auto motor und sport, immer sagte.

Zuverlässige Helferlein

Das Gran Coupé 650i jedoch blieb sauber an den Seitenfenstern, ESP usw. sorgten dafür. Dafür vorn jede Menge Mücken, Falter. Und beinahe ein Vogel, der nur mit Mühe und Gas-weg-nehmen im Auto die Kurve kriegte. 250 km/h – abgeriegelt – ist schon ganz schön schnell. Auch wenn einem das Auto heute hilft, spurtreu auf der Straße, sprich: seeeehr freien Autobahn – zu bleiben. In den 70ern des letzten Jahrhunderts wäre das nicht möglich gewesen. Der Schaltstock des mit dieser Geschwindigkeit natürlich nicht mit Automatik ausgestatteten Sportwagens hätte ausgeschlagen wie ein Lämmerschwanz, das Auto wahrscheinlich alle zur Verfügung stehenden Fahrspuren gebraucht. Und drei- oder vierspurig gab es damals kaum. Eben mal von Karlsruhe bis kurz vor Walldorf-Wiesloch und vierspurig zwischen Darmstadt und Frankfurt war grade im Bau.

Heute gleitet das Gran Coupé elegant daher, kaum Anstrengung sieht man ihm an, höchstens ein paar sich bildende Schweißperlen auf der Stirn des Beifahrers. Am Volant jedoch herrscht Ruhe, das Auto macht alles selbst. Auch auf den Rücksitzen, übrigens bequem zu erreichen und bequem darauf zu sitzen, herrscht Ruhe, die beiden Mitfahrer im Fond unterhalten sich angeregt über diese edle Mischung aus Performance und Eleganz.

Gestühl

Natürlich zeigt sich diese Eleganz nicht nur von außen (und mit so kleinen Merkmalen wie dem unter den Seitenscheiben der hinteren Türen im Eck versteckt der „Gran Coupé“-Schriftzug), sondern auch innen. Hochglanzlackierte Flächen wechseln sich ab mit schwarzem, abgestepptem Glattleder und braunem Wildleder; die Sitze aus Leder ebenfalls im Mittelteil abgesteppt, mit Heizung und Lüftung, auf Wunsch auch mit Massagefunktion für den müden Rücken. Hinten im Fond wird extra klimatisiert oder geheizt, die Mittelarmlehne macht‘s bequem auf den Sitzen, davor ist mehr Knieraum als in der Business Class vieler Flieger.

Arbeitsplatz

Die Armaturen digital; im Tacho vergrößert sich die Geschwindigkeitsanzeige dort, wo die eben gefahrene angezeigt wird. Wählt man vom komfortablen Comfort-Modus (angenehme Federung, die alle unkomfortablen Straßenstellen wegschluckt, ruhige Gangwechsel der Automatik) in den Sport oder Supersportmodus, verändert sich das Armaturenbild auf sportliche Anzeige genau wie im Eco-Modus auf Anzeigen, die den Verbrauch und die Reichweite in den Vordergrund stellen. Da geht es dann noch niedrigtouriger zu; so wie auch im Sportmodus beim Runterschalten per Schaltwippen (geht auch ohne, ist aber im Sportmodus eigentlich ein Muß) mit kräftigen Zwischengasstößen. Dann allerdings sollte man eher nervenstarke Fahrgäste dabei haben als solche, die lieber plaudern wollen. Stopp-Start-Automatik, Bremskraftrekuperation und alle möglichen elektronischen Assistenten gehören zu einem Auto wie dem Gran Coupé natürlich dazu, intelligente Vernetzung einschließlich Notfallassistenz und Internet ebenso.

Großes Kino…

Das Gran Coupé also wie gesagt, großes Kino, im Sportmodus sogar auf  Breitleinwand mit Surround-Sound. Das Herz steht still, sagt BMW. Alles andere ist in Bewegung. Stimmt!

spothits/Heiner Klempp

Technische Daten BMW Gran Coupé 650i

Länge/Breite/Höhe in mm: 5.007/ 1.894/ 1.392
Radstand: 2.928 mm
Leergewicht: 1.865 kg

Zuladung: 570 kg
Kofferraumvolumen: 460 – 1265 l (bei umgeklappten Rücksitzen)

Motor: V90-Achtzylinder mit Twinpower Turbo
Hubraum: 4.395 Kubikzentimeter
Leistung: 330 kW/450 PS bei 5.500 U/min,
max. Drehmoment: 650 Nm bei 2.000 – 4.500 U/min
Beschleunigung 0 – 100 km/h: 4,6 sec
Vmax: 250 km/h (abgeriegelt)

Testverbrauch: 12,2 l
Tankinhalt: 70 l
Abgasnorm: Euro 5
CO2 Ausstoß: 206 g/km

Preise
Preis Basisausführung: 94.600 Euro
Preis Testwagen: 133.330 Euro

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