Test Seat Leon Cupra 280: Ein iberischer Kampfstier

Test: Seat Leon Cupra 280. © spothits/Seat
Test: Seat Leon Cupra 280. © spothits/Seat

Test Seat Leon Cupra 280: Spanische Cobra und iberischer Kampfstier

Eine Cobra ist nicht unbedingt schnell, sondern hauptsächlich von unbändig starker Muskulatur. Nicht so bei der legendären Ford Shelby Cobra. Die war aufgrund ihrer Muskeln auch unbändig schnell und konnte im Jahr ihrer Blüte als 427er mit 425 PS glatte 641 Nm Drehmoment. Das trieb sie in der Spitze und bereits um 1965 rum auf 250 km/h Höchstgeschwindigkeit, einem damals kaum erreichten Höchstwert für Straßenrennen.

Test: Seat Leon Cupra 280. © spothits/Seat
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Die Seat Cupra erinnert mich immer an die Cobra, heißt sie denn auch noch Cupra 280, wohl eine Reminiszenz an die 62-er Cobra 289. Wobei bei der spanischen Cupra die 280 für die Leistung steht, bei der historischen alten amerikanischen Cobra für den Hubraum, in Kubikzoll gerechnet. Im Endeffekt stehen sich die beiden nicht nach, obwohl die Seat Leon Cupra im schlichten Alltagskleid eines Viertürers daher kommt und die Shelby Cobra ein reiner, offener Straßen-Rennsport-Zweisitzer war.

Satte 280 PS

Der Spanier hat auch keine acht Zylinder wie der Texaner, sondern nur die Hälfte, dafür einen Turbolader, der die Leistung enorm hochpusht. 280 PS, also eine Literleistung von etwas über 141 PS. Das ist heute zwar eine übliche Leistung für einen Straßensportler, war vor 60 Jahren, als es den Turbolader noch nicht straßenfähig gab, jedoch der Traum eines jeden Tuners. Der Hechinger Michael May erreichte Anfang der 70er mit seinem Turbolader mit zugeschweißtem Luftfilter im Ford Capri 2,8 eben mal 100 PS Literleistung, die aber leider noch nicht über Tausende von Kilometern standfest.

Turboloch ist Geschichte…

Ganz anders die heutigen Turbolader, ganz anders der Spanier Leon. Diesem Motor ist in der Leon Cupra kaum ein Turboloch anzumerken, er ist fetzig, kann losstürmen wie losbrüllen, hat besonders beim Zurückschalten den unnachahmlichen Zwischengasknall am Auspuff. Wenn man die entsprechenden Drehzahlen fährt! Dann allerdings bläst die Einspritzung (heute geht nichts mehr mit dem zugeschweißten Luftfilter!!) auch reichlich Treibstoff in den Motor, zwölf bis vierzehn Liter. Aber erreicht eben immer das optimale Drehmoment von schon ganz ordentlichen 350 Nm. Dennoch war es ganz schön schwierig, die Leon Cupra im Normal­gebrauch wieder auf rund 10 Liter Durchschnittsverbrauch zu bringen.

Spaß soll sie bringen

Aber eine Cupra kauft man sich ja auch nicht unbedingt zum Benzin sparen, sondern sehr zur Freude von Herrn Schäuble eher für den ultimativen Fahrspaß. Welcher Fahrer eines großen Straßengleiters wie einer Mercedes-Benz E-Klasse oder einem potenten Audi A6 erwartet schließlich, daß da hinter ihm in jenem kleinen Seat ein solch zorniger Motor sitzt. Auch wenn ihn die Spanier einen Löwen nennen im Cobrakleid, es ist und bleibt ein spanischer Kampfstier. Wehe, wenn ihn der Torero hinterm Steuer nicht zähmen kann. Da rütteln nämlich zweihundertachtzig Arena-Stiere am Volant, reißen an der Achse und röhren wie während der Stampede. Würden es die Vordermänner, bzw. Autoinsassen hören, wären sie auf der Auto­bahn sofort auf der rechten Spur. Aber Vorausklang gibt’s ja leider noch nicht, da muß man sich immer noch auf das überholprestigige Gesicht des Autos verlassen. Und das ist bei der Cupra immer noch das eines Leons. Nur eine kleine checkered flag zeigt, was hinter dem Grill steckt. Und die erkennt der vor einem rumdödelnde Schulmeister sowieso nicht.

Für Pendler & Racer empfohlen

Trotzdem: alle vier Sitzplätze im Seat Leon Cupra 280 sind bequem, man fährt auch in schnellen Kurven entspannt selbst und – wie aus berufenem Munde erklärt – auch bei. Und die Zuladung von vier Personen macht dem 280-PS-Auto, das etwas kleiner als der VW Golf, aber dennoch größer als der Mini ist, überhaupt nichts aus. Und in den Gepäckraum würde sogar auch noch so viel passen, daß alle viere übers verlängerte Wochenende genug Klamotten dabei haben können. Das ist erstaunlich, denn so eignet sich die spanische Cupra jederzeit für einen bivalenten Einsatz: Während der Woche absetzbar als fahrbarer Untersatz zwischen  Wohnung und Arbeitsplatz, am Wochenende auf der Rennstrecke. Oder eben hin und wieder auch mal im Urlaub. Aber dafür wäre vielleicht die Leon Cupra 280 ST die bessere Variante. Aber aufgepaßt: in Spanien lauert hinter jedem Sandhügel eine Cupra, die ganz schnell und stark zubeißen will…

spothits/Heiner Klempp

Technische Daten Seat Leon Cupra 280

Länge/Breite/Höhe 4.271 mm/ 1.816 mm/1.435 mm
Radstand 2.631 mm
Leergewicht 1.421 kg
Zuladung 489 kg
Kofferraum 380–1.210 l (bei umgeklappten Rücksitzen)
Motor Reihen-Vierzylinder, turboaufgeladen
Hubraum 1.984 ccm
Leistung 206 kW/280 PS bei 5.600–6.500 U/min
max. Drehmoment 350 Nm bei 1.700–5.600 U/min
Beschleunigung 0 – 100 km/h 5,8 sec
Vmax 250 km/h (abgeriegelt)
Verbrauch lt. Hersteller 6,6 l
Testverbrauch 12,4 bis 10,1 l (mit Mühe)
Tankinhalt 50 l
Abgasnorm Euro 6 (Schaltgetriebe)
CO2 Ausstoß 154 g/km
Effizienzklasse D
(Spaßklasse A+++, Anm. der Redaktion)
Preis Basisausführung 34.320 Euro

 

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