Ford Mondeo der Sechste: Der Große wird weltmännisch

Test Ford Mondeo Titanium Turnier 2.0 TDCi. © spothits/Ford
Test Ford Mondeo Titanium Turnier 2.0 TDCi. © spothits/Ford

Ford Mondeo der Sechste: Der Große wird weltmännisch

Als europäisches Welt-Auto startet der Ford Mondeo in sechster Generation (ich glaube, es ist die sechste nach der langen Pause nach dem Granada) weltmännischer, sprich kompletter ausgestattet mit Assistenten und Sicherheitseinrichtungen.

Test Ford Mondeo Titanium Turnier 2.0 TDCi. © spothits/Ford
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Alles bei – das muß in der jetzigen Zeit der amerikanischen Dieselverdammung deutscher Mogelmotoren notiert werden – komplett im Einklang mit der EPA und CARB funktionierenden und emittierenden Dieselmotoren.

Ford Mondeo Titanium Turnier Diesel 2.0

Also hinein in den neuen Mondeo Titanium Turnier Diesel 2.0. Dabei steht das Diesel 2.0 für den derzeit größten in europäischen Ford-Limousinen angebotenen Diesel der Schadstoffklasse Euro 6, die so kompliziert zu erreichen ist, daß die meisten Hersteller (außer z.B. Ford) adblue brauchen. Das „europäisch“ erwähne ich deshalb immer wieder, weil amerikanische Ford-Modelle mit größeren Motorhubräumen ausgestattet werden, drei Liter und viel mehr, was in USA immer noch small block genannt wird. Auch bei den Dieseln, die es selbstverständlich auch in USA gibt, die dort aber nicht sooo gefragt sind, weil das normale Benzin ja immer noch viel billiger ist als in Europa.

Der Mondeo meiner Frau (drei Generationen zurück) ist noch mit dem 2,2-Liter-Diesel ausgerüstet, fährt noch ausgesprochen gut und auch sehr sparsam (6,7 Liter Durchschnitt ist Standard), wird aber wahrscheinlich die strengen Euro6-Auflagen nicht mehr schaffen (Ich schwöre, das nächste Auto meiner Frau kann dann Euro6!). Als Zweitnutzer dieses Autos bin ich also gut gerüstet, in den neuesten Mondeo einzusteigen und zu vergleichen.

Knopfloses Tatschen

Dabei fällt mir zuerst einmal auf, daß etliche Bedienschalter und –Tasten nicht mehr existieren. Sie sind jetzt als Touch-Elemente (ein Berichtschreiber bei Windhund-Schönheitswettbewerben schrieb mal Tatsch, als die Richterin meinte, der Hund sei ein Touch zu steil stehend) jetzt nur noch am Touchscreen abzutaschten, was immer vom Straßenverkehr ablenkt, weil man mit dem Finger genau treffen muß. Sonst wird’s plötzlich dem Beifahrer zu warm auf dem Sitz oder die Klimaanlage bläst Eiseskälte in den Innenraum. Das ist schon sehr gewöhnungsbedürftig, zumal der Touchscreen selbst nicht wie bei anderen Marken gewachsen ist, sondern eher kleiner wurde. Aber leider haben meine Finger bei der Miniaturisierung der Computerwelt nicht mitgehalten. Ihnen ist noch kein Touchpadstift angewachsen, sie sind immer noch breit und tatschig. — Abgesehen davon, so ein Touchscreen ist auch lästig, weil es ständig mit einem Touchscreen-PadCleaner oder so saubergewischt werden muß.

Nachdem das Auto aber viel selbst erledigt, müßte der Fahrer doch Zeit haben für seinen Touchscreen. Ist aber nicht so, er muß immer noch auf den Straßenverkehr aufpassen, auf Äste, die ihm beim Sturm entgegenfliegen oder Fahrradfahrer, die wieder einmal mindestens zu zweit oder dritt nebeneinander die Straße steuernfrei blockieren und einem den Vogel zeigen, wenn man sich per Hupe räuspert.

Außerdem beschäftigen Sechsgang-Schaltung, Beobachtung des Drehzahlmessers und Kontrolle der beschränkten Geschwindigkeiten beim derzeitigen Finanzbedarf der Kommunen ungemein.

Gestühl…

Dafür sitzt sich’s ausgesprochen kommod im Mondeo, die Vordersitze geben guten Kurvenhalt an der Lehne und mit dem Seitenhaltwulst ein beruhigendes Popogefühl auf der Sitzfläche. Auch wenn das meine Frau moniert, weil sie über diese Wülste eben immer hinwegklettern muß.

Fahrverhalten überzeugt

Sitzt man jedoch mal richtig und hat der Fahrer sein Lenkrad auch zweidimensional optimal positioniert, kann’s zügig losgehen. Der Motor spricht agil auf das Gaspedal an und schickt ordentlich Newtonmeter an die Kurbelwelle. Die Bremsen packen kräftig, jedoch ruck- und quietschfrei zu (beim Mondeo meiner Frau quietschen sie ständig, weil keine Asbestbeläge mehr verwendet werden dürfen, was ja sinnvoll ist, aber lästig für die Ohren). Kurvenlage und Durchzugsvermögen hervorragend, auch im Kombi fährt man problemlos zügig (das betone ich, weil ich einst mit meinem 70er-Jahre-Fiat 500 Abarth die Wiesbadener Platte hoch Kreise fahren konnte um die alten 180 Diesel von Mercedes, die laut vor sich hinnagelnd den Verkehr abbremsten). Doch Dieselmotoren sind dank der Turbolader ja inzwischen agiler und durchzugsstärker als Benziner, die nicht so viel Drehmoment auf die Kurbelwelle stemmen können.

Wie schon bei der Vorgängerversion des neuen Mondeo ist der jetzige auch designorientiert dem meiner Frau unterlegen und neigt sich im Ladebereich hinter den Fondsitzen so sehr zur Straßen hin, daß eben kein nennenswerter Beladungsvorteil gegenüber den Shooting Brakes besteht. Schade, so bekommt man eben nur noch zu Hause montierbare Ikea-Regale hinten rein und z.B. keine Waschmaschine mehr. Aber dafür wird Ford ja auch lieber seine Torneos verkaufen wollen. Oder Mercedes z.B. die Vianos, von den Renault-verschnittenen Kleinkombis lieber nicht zu reden.

Assistenzsysteme liefern Entspannung

Der neue Mondeo kann wieder mindestens das alles, was sein Vorgänger schon konnte  und noch ein paar Dinge mehr, allerdings auch einige besser. Allerdings muß dem etwas kleineren, jetzigen Zweiliter-Diesel zugunsten Euro6 gezollt werden, daß der Verbrauch ein wenig gestiegen ist – bei diesem lag der durchschnittliche Verbrauch wieder um die 7,2 l; nicht so wie beim drei Generationen älteren 2,2-Liter (sh. oben). Das Sechsganggetriebe passt ideal dazu, so fährt man lastwagenmäßig fast immer im Drehzahlbereich zwischen 1500 und 2000 U/min, nur bei schnellen Autobahnfahrten wird höher gedreht. Was sich aber beim Innengeräusch kaum bemerkbar macht. Ganz besonders gefiel der Tempomat mit kombiniertem Abstandshalter. Den konnte man einstellen auf drei oder mehr Autolängen, je nach Geschwindigkeit. Dann fährt das Auto in der voreingestellten Geschwindigkeit und passt sich automatisch an, fährt ein langsameres Auto vorneweg.

Fazit

Der neue Mondeo selbst, egal, ob in Limousinen- oder Turnierform, kommt mühelos mit allen Verkehrssituationen zurecht, kein auffälliges Unter- oder Übersteuern, EPS setzt immer im richtigen Moment ein, die Bremsen passen und die Zeiten der Ochsenkarren-Hinterachsen sind endgültig vorbei. Dabei ist das Fahrwerk weder besonders knautschig noch hart, eben so mittendrin, wie es die meisten deutschen Fahrer als angenehm empfinden.

Dennoch lobenswert – und nach wie vor vielen anderen Automobil-Herstellern zu empfehlen ist die heizbare Frontscheibe, die auch noch mit heizbaren Scheibenwaschdüsen kombiniert ist, was zumindest im Winter vorteilhaft ist.

Nachteilig beim Gesamteindruck allerdings hat sich ausgewirkt, daß der recht neue Motor des Testwagens übermäßig schwitzt. Die Ölflecken auf dem Asphalt meiner Garagenzufahrt waren vor dem neuen Mondeo keine da.

spothits/Heiner Klempp

Technische Daten Ford Mondeo Titanium Turnier 2.0 TDCi

Länge/Breite/Höhe 4.867 mm/1.852 mm/1.501 mm
Radstand 2.850 mm
Leergewicht 1.602 kg
Zuladung 813 kg
Kofferraum 525 – 1630 l
Motor Vierzylinder, Viertakt-Dieselmotor mit
Commonrail-Direkteinspritzung und Turboaufladung
Hubraum 1.997 ccm
Leistung 132 kW/180 PS bei 3.750 U/min
max. Drehmoment 400 Nm bei 2.000 – 3.250 U/min
Beschleunigung auf 100 km/h 8,4 Sekunden
Vmax 220 km/h
EU-Normverbrauch im Mittel 4,5 l
Testverbrauch im Mittel 7,2 l
Tankinhalt 62,5 l
Abgasnorm Euro 6
CO2 Ausstoß 117 g/km
CO2 –Effizient-Klasse A
Preis
Basis-Ausführung Testwagen 35.450 Euro
Testwagen mit Sonderausstattung ca. 43.095 Euro

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