Test Mazda 6 Kombi Skyactiv-D: Himmlisch aktiv, sparsam im Gebrauch

Test Mazda 6 Kombi SKYACTIV-D 175 AWD i-ELOOP. © spothits/Mazda
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Test Mazda 6 Kombi Skyactiv-D:  Himmlisch aktiv, sparsam im Gebrauch

Zoom – zoom taucht immer noch auf und erinnert mehr an die Geräusche, die ein Fotograf mit seiner Profiausrüstung produziert, wenn das motorgesteuerte Teleobjektiv ausfährt. Dafür soll die Skyactive-Technologie, die auch im neuen Mazda 6 Kombi steckt, für mehr Sparsamkeit im Verbrauch und bessere Umweltwerte sorgen – sowohl bei den Benzinern als auch bei den Dieseln.

Test Mazda 6 Kombi SKYACTIV-D 175 AWD i-ELOOP. © spothits/Mazda
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Die magische Sieben

Bei den Benzinern kann ich mir das gut vorstellen, da hier die Verdichtung auf über 14:1 hochgeschraubt wurde. Das waren früher Formel-1-Verdichtungen für Höchstleistungs-Motoren mit Lauf-Zeiten von weniger als einem Jahr. Skyactive-Motoren sollen jedoch mindestens sieben Jahre halten – was für die Aggregate wenig problematisch sein dürfte. Und das, obgleich die Mär erzählt, daß fernöstliche Produkte auf sieben Jahre problemlose Haltbarkeit ausgelegt sind und danach sowieso überaltert und eher nicht mehr zu gebrauchen seien. Der alte Commodore-Knochen mit angebautem Cassetten-Laufwerk als Speichermedium soll sogar über eine Sollbruchstelle verfügt haben…

Otto und Diesel

Tatsächlich sind die Benziner ordentlich sparsam und sauber geworden, mein Dieseltestwagen allerdings nicht so sehr. Er schlückelte zwar nur, unterlag bei Verbrauchsmessungen allerdings dem fast zehn Jahre alten 2,2-Liter-Diesel im Mondeo Turner meiner Frau, der jedoch noch nicht so saubere Verbrennungsgase aussondert. Der verbraucht im Alltagseinsatz rund um den Kirchturm etwa sieben Liter und auf der Langstrecke 6,7. Der Skyactive-Diesel im Mazda 6 wird zwar mit 5,4 l Verbrauch im EU-Meßwertmittel angegeben, genehmigte sich aber im Mischverkehr der zweiwöchigen Probefahrt etwas mehr als sieben Liter. Da machte es noch sein Vorgänger – auch schon mit dem variablen Turbolader ausgerüstet – ein wenig besser, konnte aber noch nicht Euro 6. Wobei Euro 6 sowieso eine Crux ist, die zwar die Umwelt-Meßwerte verbessern soll, nicht aber die Strapazen von Geldbörsen lindert. Und vor dem Hintergrund des Volkswagen-Meßdesasters sind ohnehin fast alle normierten Meßverfahren obsolet, solange sie nicht auf der Straße stattfinden, sondern im Labor. Das erinnert mich an die legendären Kaltstart-Tests von Rainer Günzler im ZDF der frühen siebziger-Jahre des letzten Jahrhunderts, die schnell und klammheimlich eingestellt wurden, als durchsickerte, daß beim einen oder anderen Motorstart in Günzlers Kältekammer hilfreiche Geisterhände aktiv waren.

Designer-Kombi

Zurück zum Mazda 6 Kombi, in der Mazda-Designsprache Kodo, der Vertreter einer fast nur noch in Europa, dort aber in der Überhand lebenden Modellvariante. Er ist ein Designer-Kombi, faßt aber dennoch großes Volumen für die Familie oder das Hobby, das sich jederzeit vergrößern läßt anhand der Variationsmöglichkeiten der Rücksitze bis hin zum fast ebenen Ladeboden. Da hat sich gegenüber dem Vorgängermodell kaum etwas geändert, immer noch kann man die Rücksitzlehnen vom Kofferraum aus umklappen.

Läßt man alles, wie’s ist und will keiner Handwerker-Utensilien unterbringen, passen bequem fünf Personen nebst Hund und Gepäck ins Auto, wenn der Hund nicht unwesentlich größer ist als ein Schäferhund. Dann kann man die in Origami-Art wegfaltbare Karakuri-Kofferraumabdeckung tatsächlich wegfalten und der Hund kann auch rausgucken. Hat man keinen Hund und bringt sein Gepäck bündig unter der Kofferraumabdeckung unter, muß diese Abdeckung nicht einmal mehr in die Hand genommen werden. Sie fährt beim Öffnen des Kofferraums mit dem Deckel hoch und beim Schließen genauso wieder runter, paßt sich da auch noch möglichen Unebenheiten der Beladung an.

Mehr Leistung, aber auch mehr Durst

An der Tankstelle verhält sich der sportliche Japankombi nicht mehr so sehr zurückhaltend wie sein Vorgänger, dies ist sicherlich Euro 6 geschuldet. Aber lieber ein paar Schnapsgläser mehr Verbrauch und dafür die Umwelt weniger belastet als mit Mogelsoftware die Meßwerte zu schönen. Dafür hat er aber gegenüber seinem Vorgänger ordentlich an Hubraum, Leistung und vor allem Drehmoment zugelegt, was ein großes Plus an Fahrelastizität, kräftigem Schub und viel Leistungsreserve mit sich bringt. Auf der Straße bewegt sich der japanische 6er nach Straßenverkehrsknigge, bleibt spurtreu, paßt auf den Gegenverkehr auf, hinten beim Ausparken auch auf den Querverkehr, warnt vor passierenden Autos mit Piepsen und Blinken in den Spiegeln, mahnt zu Pausen nach längerer Fahrt.

Schon alles drin…

Auf ungünstigen Straßenzuständen bewährt sich der Allradantrieb, im Winter ganz besonders, wenn eine Achse auf Glätte kommt. Auf Schnee kann man dafür EPS abschalten und sich so aus der Wehe wieder rausschauckeln, gilt aber inzwischen wohl nur noch für schneegefährdete Regionen in besonders schneereiche Wintern. Sonst hilft AWD bei Regennässe, hält das Auto in schnellen Kurven fest und gibt dem Fahrer das Gefühl, sicher im Auto zu sitzen. Nur der aktive Spurhalter ist ein bißchen zu fleißig, er greift gelegentlich schon vorsichtig am Lenkrad ziehend ein, wenn er nur einen Mittelstreifen riecht. Das alles macht er übrigens nicht gegen Aufpreis, das ist in der Serie der Allradler bereits drin.

Das Design dieses Japaners erinnert immer noch eher an einen Europäer; kein Wunder, wenn das Mazda-Designzentrum in Oberursel angesiedelt ist.

Lobenswert die serienmäßigen Extras in der Exclusive-Line mit Ledersitzen und Voll-LED-Licht von den Positions-, Tagfahr-, Kurven- und Nebellampen bis hin zum automatisch abblendenden Fahrlicht. Schweinwerfer-Waschdüsen, hochwertige und bei Mazda endlich mal weniger basslastige Lautsprecher, die dem HiFi-Verständnis der Japaner entsprechen und auch europäisch HiFi-verwöhnte Ohren schonen, Blauzahn-Kommunikation für das Telefon und Touchscreen-Navigation müssen eigentlich nicht mehr besonders erwähnt werden, gehören aber in der Oberklasse-Ausstattung dieses Mittelklässlers schon dazu.

Mit dem Mazda 6 stellt der strategische Partner von Ford in Japan dem europäischen Markt ein Fahrzeug vor, das ideal in die Kombivorstellungen der Käuferschaft paßt und dennoch zu Preisen zu haben ist, wie man sie bei vergleichbaren Europäern nicht mehr findet.

spothits/Heiner Klempp

Mazda6 Kombi SKYACTIV-D 175 AWD i-ELOOP

Länge/Breite/Höhe: 4.805 mm/1.840 mm/1.500 mm
Radstand: 2.725 mm
Leergewicht: 1.470 kg
Zuladung: 665 kg
Kofferraum: 522 – 1648 l
Motor: turboaufgeladener Reihenvierzylinder-Common-Rail-Diesel mit Direkteinspritzung,
Allradantrieb, manuelles 5-Gang-Getriebe
Hubraum: 2.191 ccm
Leistung: 129 kW/175 PS bei 4.500 U/min
max. Drehmoment: 420 Nm bei 2.000 U/min
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 9,1 Sekunden
Vmax: 209 km/h
Verbrauch
EU-Normverbrauch im Mittel: 5,4 l
Testverbrauch im Mittel: 7,2 l
Tankinhalt: 62 l
Abgasnorm: Euro 6 mit Partikelfilter
CO2 Ausstoß: 143 g/km
Preis Testwagen: 45.790 Euro

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